Montag, 16. April 2012

I want to stay where I never was before (Thomas Brasch)



What I have I do not want to lose, but
where I am I do not want to stay, but
those I love I do not want to leave, but
those I know I do not want to see anymore, but
where I live I do not want to die, but
where I die I do not want to go to,
I want to stay where I never was before.
(Thomas Brasch)

         
Poetry has been with me through all my studies. As a young student
I had to choose between the three literary genres poetry, drama and prose. Although I am inclined more and more to prose (the serenity of old age?) I was fascinated at that time mainly by lyrical and dramatic texts (poetry, because I was too impatient to read a 500-page novel and drama, because I loved theatre  ...). Anyway, those years I immersed myself into Italian, French and German dramatic and lyrical texts. Some authors - like Thomas Brasch - were discovered by accident many years later. Poetry impresses me still.  Sometimes I see it like a quintessence of what a prose writer tries to express in too many words...
"I want to stay where I never was before" ...Thomas Brasch's poem describes exactly the feeling that grabs me so often: it is the general restlessness in me - which I try to alter into creativity.
I am not a person of peace with myself. I'm always looking for the next challenge, the new, all the things I still have not achieved. I think that this feeling makes up a major part of my creativity - and I know that this has not always had a positive impact on my life. This constant state of "searching", although it may be sometimes quite creative, often results to be tedious and not very conducive to my health.
And so I wonder: can we be creative while resting in us? Or rather, do we need this constant state of anxiety? Is it just the restless spirit that allows us to try new things? Or is it only Brasch's despair that we feel within us? Is then any kind of creativity basically just an escape from dealing with our own demons? And is it finally a creativity born from unrest or uncertainty, an attempt to give some meaning to our lives?
Well, you can of course also see it the other way around, and certainly the real artists deal with their demons in their creations. This is probably the really important creativity, which we find in writers, visual artists or musicians and composers ...
Peter Handke described this condition this way: "Without irritation I would see nothing beautiful, I would not be cut impressed by some words. Irritability is the basic condition of course, rest is much nicer, but rest does not exist a priori, rest has to grow.
 Irritability as a prerequisite for creation and happy is who can find rest during or after the creative process.
But I write not about great art such as by Handke, but only about my own little "homemade" creativity. Marie von Ebner-Eschenbach described this difference so aptly: The "small" are working, the "great" are creating.
Well, those are my thoughts today, after I write this blog now for over a month.
Conclusion: 18 Posts, 236 page views, 1 comment (can we call this "interest"?...), but I will go on with it  anyway. Perhaps even this blog is finally just another kind of escape into the infinity of the anonymous web .... who knows ...?

Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber
wo ich bin will ich nicht bleiben, aber
die ich liebe will ich nicht verlassen, aber
die ich kenne will ich nicht mehr sehen, aber
wo ich lebe will ich nicht sterben, aber
wo ich sterbe, da will ich nicht hin
bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.
                                    (Thomas Brasch)
                    
Lyrik hat mich durch mein ganzes Studium begleitet. Als junge Studentin mußte ich mich irgendwann zwischen den drei literarischen Gattungen Lyrik, Drama und Prosa entscheiden. Obwohl ich heute eher der Prosa zugeneigt bin (die Gelassenheit des Alters?), faszinierten mich damals vor allem lyrische und dramatische Texte (Lyrik, weil ich vielleicht zu ungeduldig war, mich auf einen 500 Seiten langen Roman einzulasssen, und Drama, weil ich das Theater liebte...). Jedenfalls vertiefte ich mich damals in die italienische, französische  und deutsche dramatische und lyrische Dichtung. Manche Autoren - wie Thomas Brasch - entdeckte ich durch Zufall erst viele Jahre später. Lyrik beeindruckt mich auch heute noch, sehe ich darin manchmal auch eine Quintessenz dessen, was ein Prosaautor in vielen Worten in einem Roman wiederzugeben versucht.
"Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin"...
Thomas Brasch beschreibt in seinem Gedicht genau das Gefühl, das mich so oft packt: es ist die allgemeine Unruhe in mir - die ich dann für meinen Teil versuche, in Kreativität umzusetzen.
Ich bin kein Mensch, der in sich ruht. Ich bin immer auf der Suche nach dem Nächsten, nach dem noch nicht Erreichten. Ich glaube, daß dieses Gefühl einen Großteil meiner Kreativität ausmacht - und ich weiß, daß dies sich nicht immer positiv auf mein Leben ausgewirkt hat; eher hat es mich in diesen stetigen Zustand des "Nachfragens" versetzt, der zwar manchmal durchaus kreativ sein mag, aber oft auch ermüdend und der Gesundheit definitv nicht immer zuträglich ist.
Und so frage ich mich: können wir kreativ sein und gleichzeitig in uns ruhen? Oder brauchen wir vielmehr diese ständige Unruhe? Ist es nur der unruhige Geist, der es uns erlaubt, Neues auszuprobieren? Oder ist es am Ende doch nur Braschs Verlorenheit, die wir in uns spüren? Ist dann jede Art von Kreativität nicht auch eine Flucht vor der Auseinandersetzung mit unseren eigenen Dämonen? Und ist es am Ende nur eine aus Unrast oder Unsicherheit geborene Kreativiät, nur der Versuch, uns selbst irgendeinen Sinn zu geben, auch so eine Art Beschäftigungstherapie, um abzutauchen?
Nun, man kann es natürlich auch genau andersherum sehen, und sicherlich setzen sich die wirklich großen Künstler in ihrer Arbeit mit ihren Dämonen auseinander und erschaffen daraus ihre Werke. Dies ist dann wohl die wirklich bedeutende Kreativität, die wir bei Schriftstellern, bildenden Künstlern oder Musikern und Komponisten finden...
Peter Handke beschrieb diesen Zustand einmal so: "Ohne Gereiztheit würde ich nichts Schönes sehen, würde ich nicht wirklich tief eingeschnitten werden von manchen Anblicken, von manchen Wörtern und Worten. Gereiztheit ist die Grundbedingung. Natürlich ist die Ruhe viel schöner. Aber die Ruhe ist nicht von vornherein da. Die Ruhe muss werden." Gereiztheit als Grundvoraussetzung für das Schaffen, und glücklich ist derjenige, der im oder nach dem Schaffungsprozeß Ruhe finden kann.
Aber ich schreibe hier ja nicht über die große Kunst wie bei Handke, sondern nur über meine eigene kleine "hausgemachte" Kreativität oder wie Marie von Ebner-Eschenbach diesen Unterschied mal so treffend beschrieb: "Die Kleinen schaffen, der Große erschafft."

Tja, das sind so meine Gedanken von heute, nachdem ich diesen Blog nun schon seit über einem Monat schreibe.
Fazit: 18 Posts, 236 Seitenaufrufe, 1 Kommentar (Interesse sieht anders aus...), aber ich will trotzdem weitermachen. Vielleicht ist aber auch dieser Blog letztendlich nur wieder eine Art von Flucht hinein in die anonyme Unendlichkeit des Webs....who knows...


...