Mittwoch, 18. April 2012

“Don't walk in front of me; I may not follow. Don't walk behind me; I may not lead. Just walk beside me and be my friend.” (Albert Camus)


In my last post I wrote about guests, hospitality and….friends.
Just today I read a long email of a very good friend of mine and it made me wonder: What can we say about friendship and our friends? Or, what does the choice of friends tell about us?
I know many people who proudly tell me how many friends they have, but I know that in reality they do not differentiate between friends and good acquaintances. I know that these definitions can differ in various cultures. But, speaking for myself, I do make this differentiation. I am not the kind of person gathering a lot of so called “friends” around me. I know they are nice acquaintances, but they are not real friends. Real friends are rare, and the older I get the less I engage myself in these superficial acquaintances. With advancing age, I become more and more picky….Maybe, it’s just the feeling of running out of time…
Friendships, however, might not stay always the same….some wither and become nodding acquaintaces, some disappear, some return surprisingly. As years went by, I lost touch with a few old friends, but also found new ones. I lost most of my friends when I left Germany. I am still in touch with a few of them (thank God for the internet!), but because of the distance they cannot always “walk beside me”, as Camus suggested.
In the best case, we will feel at our ease as always when we finally meet after a long time apart. In the worst case you will see a friendship slowly dying right next to you. This is what hurts most: You don’t have the “excuse” of distance or something like that, but you have to realize that something in this friendship changed, maybe you or your friend changed, maybe you have to ask yourself if this was a true friendship or just an overrated and misunderstood acquaintance. Anyway, it always hurts our feelings when we have to make this experience.
Real Friendship demands above all love and compassion, but also the guts to tell the truth. The helvetian philosopher Peter Bieri (alias Paul Mercier) wrote that "the truth about yourself  is reasonable for the people".
I love my friends to be honest, to tell me what they really think, I love them to push me forward by criticizing…these should be the criteria for real friendship or in the words of Oscar Wilde:

Anybody can say charming things and try to please and to flatter, 
but a true friend always says unpleasant things, and does not mind 
giving pain. Indeed, if he is a really true friend he prefers it, for he 
knows that then he is doing good.”
(I dedicate this post to my best critical friend)


In meinem letzen Beitrag  schrieb ich über Gastfreundschaft, Gäste  und...Freunde.
Gerade heute las ich eine lange email von einer Freundin, und das hat mich nachdenklich gemacht: Was können wir über unsere Freunde und Freundschaft sagen? Was sagen unsere Freunde über uns selbst aus?
Ich kenne so viele Leute, die mit unverhohlenem Stolz erzählen, wieviel Freunde sie haben. Ich weiß aber, daß sie in Wirklichkeit nicht zwischen den Begriffen „Freundschaft“ und „Bekanntschaft“ unterscheiden können. Ich weiß auch, daß diese Definitionen von Kultur zu Kultur verschieden sind, vielleicht ist in den letzten Jahren aber auch nur unser Sprachgebrauch ungenauer geworden. 
Ich selbst jedoch mache diese Unterscheidung schon immer. Ich habe nie viele sogenannte Freunde um mich herum angesammelt. Es war mir immer klar, daß es sich meistens nur um sehr nette, aber unverbindliche Bekanntschaften gehandelt hat, nicht um wahre Freunde. Wahre Freunde sind so selten, und je älter ich werde, desto weniger will ich mich auf oberflächliche Bekanntschaften einlassen. Mit zunehmendem Alter werde ich immer wählerischer und lasse mich nicht mehr auf viele Menschen ein. Oft ist es auch das Gefühl der zu schnell verrinnenden Zeit (die berühmte Sanduhr !!!), das Gefühl, nicht mehr viel Zeit für Oberflächliches zu haben....
Freundschaften bleiben auch nicht immer gleich....manche verblühen und werden zu unverbindlichen Bekanntschaften, manche lösen sich gar in Nichts auf, und einige wenige schleichen sich irgendwann auf leisen Sohlen wieder in unser Leben..... Im Laufe der Jahre habe ich manche Freunde verloren, aber auch manch neue gewonnen. Die meisten Freunde verlor ich aus den Augen, als ich vor vielen Jahren von Deutschland nach Griechenland „ausgewandert“ bin. Mit einigen bin ich noch in Kontakt (dank Internet), aber auch diese wenigen können aufgrund der Entfernung nicht wirklich „an meiner Seite gehen“, wie Camus das so schön formuliert hat.
Im besten Falle werden wir uns - wie immer- einander nahe fühlen, wenn wir uns nach langer Zeit endlich mal wiedersehen. Im schlimmsten Falle jedoch müssen wir zusehen, wie sich eine Freundschaft langsam in Nichts auflöst – und das im Hier und Jetzt!  Das trifft uns dann am härtesten, denn wir haben keine „Entschuldigung“ parat, wie zum Beispiel 3000 km Entfernung oder Ähnliches. Ganz im Gegenteil, wir müssen uns dann ganz unmittelbar damit auseinandersetzen, daß sich diese Freundschaft verändert hat, daß wir oder der Freund sich verändert haben. Vielleicht müssen wir uns auch fragen, ob diese Freundschaft nicht von Anfang an von uns mißverstanden wurde und nur eine nette Bekanntschaft war....in jedem Falle tut so etwas weh und beschäftigt uns lange.
Freundschaft bedeutet für mich vor allem Liebe und Mitgefühl, aber auch Mut, die Wahrheit zu sagen. Der Schweizer Philosoph Peter Bieri alias Paul Mercier schrieb, dass "die Wahrheit über sich selbst dem Menschen zumutbar ist". 
Nur ein wahrer Freund wird mir sagen, was er wirklich denkt oder wird mich gerade durch seine Kritik vorantreiben....Daran sollten wir den wirklichen Freund erkennen können oder wie Oscar Wilde schrieb:

„Jeder kann nette Dinge sagen und dem anderen versuchen zu 
schmeicheln, aber ein echter Freund wird immer unbequeme Dinge 
sagen, auch wenn es weh tun sollte. Wenn er ein wirklicher Freund ist, 
wird er gerade dies tun, wissend, daß er damit das einzig Richtige tut“.

(Dieser Beitrag und die Mohnblumenwiese sind meiner kritischsten Freundin gewidmet! Για σου, παπαρουνίτσα!)