Freitag, 12. Oktober 2012

Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich zurück. - Zsuzsa Bank

So, nun ist aber Schluß mit dem Politisieren!

Meine Tage in Deutschland neigen sich dem Ende zu und ich muß zurück nach Athen....zum ersten Mal seit fast 20 Jahren fahre ich mit schwerem Herzen zurück. Hätte ich dort nicht meinen geliebten Mann und meine geliebte Werkstatt, würde ich wohl gar nicht mehr dorthin wollen. Es ist so schwer sich vorzustellen, daß in wenigen Tagen die rauhe griechische Wirklichkeit wieder über mich hereinbrechen wird....der ganze Kampf, die Unsicherheit, die Verzweiflung und Angst vor der Zukunft....
Hier in Deutschland habe ich - neben vielen Dingen, die zu erledigen waren - trotzdem ab und an die Zeit gefunden, in die Welt der Bücher abzutauchen. Heute mußte ich noch ein Geschenk besorgen und fand durch Zufall ein Buch, das ich erst im Sommer selbst geschenkt bekommen hatte: Die hellen Tage von Zsuzsa Bank.
Es ist die Geschichte der Freundschaft zwischen Seri, Aja und Karl, die in einer süddeutschen Kleinstadt aufwachsen. Der Leser begleitet diese Kinder und ihre Familien (vor allem ihre Mütter) von den frühen 60er Jahren mehr als 20 Jahre lang, bis ihre unerschütterliche Freundschaft im Rom der 80er Jahre fast auseinanderbrechen wird. Man erkennt schon nach den ersten Seiten, daß Zsuzsa Bank eine begnadete Erzählerin ist, die ihre Leser mit ihrer einfühlsamen Sprache und dieser wunderschönen, liebevollen Familiengeschichte zu fesseln versteht.
Vielleicht hat mich das Buch auch so berührt, weil es von meiner eigenen Generation spricht und ich auf manchen Seiten sogar Parallelen zu meinem eigenen Lebenslauf gefunden habe....Aber spätestens, wenn der Leser auf den letzten Seiten des Buches mit Ajas Mutter in die dunkle Welt der Alzheimerkrankheit abtaucht,  ist dies mit soviel Verständnis und Liebe beschrieben, daß man sich wünscht, das Buch hätte nochmal soviel Seiten...
Manchmal, wenn ich Lust habe, rezensiere ich auch Bücher auf Amazon, und dieses Buch gehört definitiv zu jenen, die ich weiterempfehlen musste...und weil es heute im Buchladen plötzlich wieder vor mir lag, mußte ich unwillkürlich die Idee von "hellen und dunklen Tagen" weiterspinnen:
Meine Tage in Deutschland waren helle Tage und meine kommenden in Athen werden wohl wieder zu den dunkleren gehören. Nur, daß ich diese dunklen Tage dem Schicksal nicht werde zurückgeben können, so wie es Ajas Mutter im Roman für sich beschlossen hat.