Dienstag, 16. Juli 2013

Das Wasser folgt dem Weg des geringsten Widerstands. Das menschliche Verhalten, das in seinem Prinzip und fast allen seinen Handlungen determiniert ist, läßt nur wenige Gabelungen zu....Dieses Buch ist dem Menschen gewidmet,- Michel Houllebecq

Während der letzten Tage lese ich "Elementarteilchen" von Michel Houllebecq...ich habe den gleichnamigen deutschen Film bisher nicht gesehen, und ich bin hin- und hergerissen, ob ich ihn mir je ansehen werde....(trotz der Regie des so interessanten Oskar Roehler!).
Das Buch, tja, das ist eine echte Herausforderung! Der in Algerien aufgewachsene Houllebecq (geb. 1958)  entwirft die Geschichte zweier ungleicher Halbbrüder während der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, der eine mit einer quasi autistisch anmutenden biochemischen Begabung, der andere mit seinen unendlich existenziellen und sexuellen Problemen....
Nun bin ich als einstiger Sprach- und Literaturwissenschaftler sicherlich nicht der richtige Rezipient für biochemische oder physikalische Theorien, die im Buch ab und an explitzit entwickelt werden (auch wenn ich wundersamerweise Vieles davon verstehe! Haha!).
Dennoch, was das Buch für mich überaus interessant macht, ist die sprachlich so wunderbar pointierte Demontage und Sezierung unserer eigenen Generation und ihrer, in der Rückschau, mitunter so lächerlichen Suche nach dem "Sinn des Lebens". (Hier mein Kompliment an den Übersetzer!).
Eine mehr als anspruchsvolle Lektüre, die dem Entspannung suchenden Leser überhaupt nicht anzuraten ist. Dennoch ist es ein Buch, das in der überbordenden und konturlosen Masse der heutzutage veröffentlichten lifestyle-kohärenten Bücher einen Sonderplatz einnimmt. Der Tagesspiegel schreibt zu Recht: "Houllebecq ist ein Könner ersten Ranges. Kühl wie ein Wissenschaftler legt er seine Minen und sieht dann aus der Ferne zu, wie sie hochgehen".

Houllebecq ist ein zwiespältiger Autor, der sich, meiner Meinung nach, nicht einordnen läßt:
Zuviel beunruhigende Fragen bleiben mir, zuviel Unsicherheit wird erweckt....aber beim Lesen frage ich mich immer wieder:  Müssen wir uns nicht gerade auf diese Ambiguitäten einlassen als verantwortungsvolle Menschen, die sich nicht mit den allzu einfachen und einseitigen Antworten abspeisen lassen ? Nur einige wenige Seiten bleiben mir noch bis zum Ende des Buches, und doch bleibt meine Unruhe.
Und ich bin mir fast sicher, daß Houllebecq auch auf der allerletzten Seite mir keine beruhigenden Antworten geben wird auf all meine verstörenden Fragen...!