Samstag, 14. September 2013

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen. - Seneca

Letzte Nacht ist leider ein Mensch von uns gegangen, zu dem ich seit nunmehr 30 Jahren ein sehr zwiespältiges Verhältnis hatte....meine Schwiegermutter. Auch wenn wir uns gegenseitig tröstend sagen, sie ist nun endlich dem furchtbaren mentalen Gefängnis der Alzheimer-Krankheit entkommen, so überwiegt natürlich die Trauer.
Ich denke nun viel darüber nach, was für ein Leben sie hatte, wie sie zu dem Mensch wurde, der es sich selbst und ihren Liebsten zumeist nicht einfach machte. Und wenn man dann tiefer gräbt, ergibt sich das Bild eines Menschen, der sein Leben lang zutiefst unglücklich war, der ein Leben lang einem unrealisierbaren Traum hinterher gelaufen ist und in Fesseln leben mußte, die ihre Erziehung und ihre Umwelt ihr auferlegt hatten. Das ist es, was mich so traurig stimmt. Es wäre verlogen zu sagen, ich hätte diesen Menschen innig geliebt. Aber da war sehr wohl Zuneigung und vor allem die Achtung davor, wie sie den Widrigkeiten ihres Daseins dann doch einige wenige Glücksmomente abgetrotzt hat. Aber reichte das für ein ganzes Leben? Wohl eher nicht. Und so bleibt am Ende eines so langen Lebens diese Bitterkeit in mir....