Sonntag, 13. Oktober 2013

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird.... G.Ch.Lichtenberg

Da ja letzte Woche auf Kerki's Blog so ein schönes Photo einer alten Druckmaschine eingestellt war, will ich "maschinenmäßig" kurz nachlegen - aus für mich aktuellem Anlaß:

Wenn Buchseiten erstmal gedruckt sind, müssen sie unweigerlich zum Buchbinder. Inzwischen funktionieren richtig große Buchbindereien nur noch maschinell. Vor einigen Jahren durfte ich in Dubai eine riesige Buchbinderei besuchen, in der hauptsächlich Koran-Ausgaben hergestellt wurden. Es war eine faszinierende, aber auch ernüchternde Erfahrung: noch nie hatte ich all die hochmodernen Maschinen gesehen, die heute in einer Großbuchbinderei eingesetzt werden! Unfaßbar, daß es auch für die klitzekleinsten Arbeitsschritte noch eine entsprechende Maschine gibt! Da kam dann auch die ernüchternde Frage: was treibe ich da eigentlich in meiner kleinen Werkstatt mit meinen zwei Händen und einigen wenigen Maschinen!?
Naja, man kann die maschinelle Buchherstellung natürlich nicht mit dem Handwerk vergleichen...

Der aktuelle Anlaß, von dem ich oben sprach, ist die Tatsache, daß wir bis spätestens Weihnachten  unsere bisherige Werkstatt aufgeben und uns empfindlich verkleinern werden. Wir müssen uns der bitteren Realität anpassen und die vergangenen Jahre ad acta legen: Wachstum oder zufriedene Stagnation waren einmal, jetzt ist Rezession (ad infinitum?) angesagt. Die ersten Weichen sind bereits gestellt, viel Bürokratie ist zu bewältigen, Genehmigungen sind einzuholen - ja, selbst hier im chaotischen Griechenland muß das sein!.
Neben so manchen Träumen und Hoffnungen werden diesem Umzug auch einige Maschinen zum Opfer fallen, für die einfach kein Platz mehr sein wird. Eine davon ist unsere große, uralte Schneidemaschine (Baujahr anno dunnemals...). Wir benutzen sie sowieso nur noch sehr selten, schneidet sie schon länger nicht mehr millimetergenau. Trotzdem tut es mir in der Seele weh, sie hat uns immerhin 16 lange Jahre gute Dienste erwiesen und ist jetzt nur mehr das Symbol für die anstehenden Veränderungen:  So geht für sie - und unweigerlich auch für uns - eine kleine Ära zu Ende! Irgendwie schade.
Mein Zitat aus aktuellem Anlaß:
Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, 
wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: 
es muß anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Ch. Lichtenberg



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Kommentare:

  1. Ich wünsche Dir Kraft für die Veränderungen, die anstehen und verstehe, dass es ein komisches Gefühl ist. Aber das Zitat von Georg Lichtenberg ist so wahr!
    Liebe Grüße

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    1. Ja, ich fand das Zitat irgendwie so wahr und auch tröstlich....LG Andrea

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  2. Ach herrje. Ich hoffe euch geht nicht gänzlich die Puste aus, schon ich bin traurig wenn ich das lese.
    Du machst deine Sachen mit so viel Herzblut, ich wünsche dir die nötige Kraft um den richtigen Weg für euch zu finden.
    Das Zitat passt.

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  3. Ich freue mich über Eure so lieben Kommentare....wie Ihr Euch vorstellen könnt, wechselt die Stimmung von tieftraurig bis gefasst-positiv...That's life! Irgendwie geht es immer weiter. Nur gut, dass wir das Ende unserer Wege nicht kennen! LG

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  4. Jeder Neubeginn ist auch eine Chance; ich drücke die Daumen, dass er gelingt. Eine schöne alte Maschine, behaltet sie in guter Erinnerung, liebe Grüsse kalle

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  5. Hallo Andrea,
    auch wenn wir Dinge, die uns umgeben nicht nutzen, können sie uns viel bedeuten, weil Erinnerungen daran hängen. Handelt es sich um Kleinigkeiten, dann ist es einfach sie zu sammeln und ewig aufzuheben, aber bei so großen Stücken wie eure alte Schneidemaschine sieht es anders aus und ich kann gut verstehen, dass es sich sehr traurig macht, vor allem wenn du nicht weißt, was die Zukunft bringt.

    Ich wünsche dir alles Gute und drücke dich mal ganz lieb.

    Uschi, der beim Lesen deiner Zeilen das Gedicht von Hermann Hesse in den Sinn kam

    Stufen

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

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    1. Danke,liebe Uschi fuer Deinen so lieben Kommentar! Wie wahr, wie wahr, so eine Riesenmaschine kann man leider nicht aufheben....Das Gedicht von Hesse kannte ich, habe es aber seit so vielen Jahren nicht mehr gelesen, vor allem die letzte Zeile war mir noch im Gedaechtnis. Danke Dir, dass ich den gesamten Text nun wiedergefunden habe. LG Andrea

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