Dienstag, 26. November 2013

Er wurde geboren mit einem sonnigem Gemüt und der Gewißheit, daß die Welt verrückt ist. - Garp

Nach der außergewöhnlichen Madame Bovary griff ich mal wieder in mein Regal ungelesener Bücher und las Felicitas Mayalls Nachtgefieder und Andrea Camilleris Die Spur des Fuchses, beides Kriminalgeschichten einer längeren Reihe, die ich vielleicht einfach nur der "Vollständigkeit halber" weiter verfolge.
Mayalls Krimis spielen sich immer zwischen München und Siena ab, beides Orte, die für mich einfach viele persönliche Reminiszenzen beherbergen. Außerdem sind ihre Geschichten um die deutsch-italienische Komissarin Laura Gottberg immer recht unterhaltsam geschrieben - nichts wirklich Neues an der Krimifront, aber es kursiert definitiv ungleich Schlechteres in diesem Genre!
Den von mir schon öfter erwähnten Andrea Camilleri brauche ich nicht mehr vorzustellen, er ist wohl der Meister des "Regionalkrimis"...Die Spur des Fuchses ist das mittlerweile 12. Buch der Reihe um Comissario Montalbano aus Sizilien. Auch dieser Krimi birgt nichts Neues, ist aber dennoch exzellentes und verläßliches schriftstellerisches Handwerk; man merkt halt einfach, daß da ein Könner am Werk ist. Wenn man Camilleri liest, erkennt man auch, wie viele Krimiautoren von ihm beeinflußt wurden. Und erstaunlich ist allemal, wie viele unterhaltsame Geschichten noch immer in diesem mittlerweile hochbetagten Autor schlummern. Ein neuer "Camilleri" ist bereits erschienen, aber ich warte notgedrungenermaßen noch auf die billigere Taschenbuchausgabe.....

Danach war es aber erstmal wieder genug von Mord und Totschlag. Da neulich im Fernsehen eine gut gemachte Literaturverfilmung lief, bekam ich Lust auf ein Buch, das viele meiner Generation in den 80ern verschlungen haben: Garp und wie er die Welt sah von John Irving.
Irving reiht sich ein in die Riege typisch amerikanischer Erzähler wie Updike, Bellow, Roth oder Franzen, wobei es in Irvings Geschichten immer etwas skuriler "zugeht", man denke nur an sein erzählerisches Feuerwerk Das Hotel New Hampshire. Nun lese ich zum zweiten Mal Garp und erfreue mich - wie schon vor 30 Jahren - an Irvings Phantasie und Fabulierlust. Wer nicht aus meiner Generation stammt und dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte sich unbedingt darauf einlassen...einfach eine wundervolle Geschichte über das erfrischende Unangepaßtsein und das Leben, das so viele Überraschungen birgt!

P.S. Und wenn Ihr Euch jetzt fragt, wann ich das alles eigentlich lese - wie mich meine beste Freundin immer fragt - so muß ich gestehen, daß es seit vielen Monaten aufgrund der vielfältigen Probleme allzu viele "schlafgestörte" Nächte bei mir gibt, die nur mit ausgiebigster Lektüre zu ertragen sind.....Basteln kann ich ja des Nächtens nicht, auch wenn dies eine gleichsam gute Chaostherapie wäre...:)