Freitag, 6. Dezember 2013

Der griechische "Faust"....

Dem griechischen Autor und Übersetzer Petros Markaris wurde die diesjährige Goethe-Medaille verliehen. Aus diesem Anlaß gab es einen Abend zu Ehren von Markaris im Athener Goethe-Institut.
Ich habe Euch ja schon mal auf diesen Autor aufmerksam gemacht, wenn auch weitgehend auf seine guten Krimis, für die er auch in Deutschland bekannt ist. Weitaus nachhaltiger in Griechenland ist seine Tätigkeit als Übersetzer von z.B. Brecht, Bernhard, Schnitzler und...Goethe: Markaris hat sich damit auf ein wirkliches Lebenswerk eingelassen, die Neuübertragung des "Faust" ins Griechische! Als er schon einen Großteil des Werkes übersetzt hatte, sprang plötzlich der auftraggebende Verlag ab, und Markaris stand da -  mit einer Arbeit von Jahren in den Händen....was nun? Da sprang ohne Zögern der (so sympathisch bescheidene) Verleger seiner Kriminalgeschichten ein und erklärte sich sofort bereit, die zweisprachige Faust-Ausgabe (Faust I und II!) auf den Weg zu bringen. Als Markaris ihn darauf hinwies, daß sich sicher nicht viele Bücher davon verkaufen würden, antwortete der Verleger: "Ach, laß mal gut sein, ich verkaufe so viele von Deinen Krimis, da kann ich mir auch mal den verlegerischen Luxus gönnen, den "Faust" herauszubringen!" Ja, auch solche Geschichten gibt es im Verlagsgeschäft noch!
Es wurden natürlich viele launige Reden geschwungen an diesem Abend zu Ehren des Preisträgers, aber am eindrucksvollsten war eine Lesung aus der besagten Faust-Übertragung: einmal von Markaris selbst, aber dann auch von dem griechischen Theaterregiseur, der den "Faust" in der Neuübertragung im Januar hier auf die Bühne bringen wird. Es war absolut faszinierend zu hören, wie ein Theatermann den Text sofort anders intoniert und allein schon beim Rezitieren inszeniert! Versteht sich von selbst, daß ich versuchen werde, Karten zu ergattern für diese Aufführung....immerhin habe ich den "Faust" schon in 2 unvergessenen Inszenierungen in München erlebt, aber noch nie auf griechisch! Bin schon so gespannt, ob man diesem Text auch in einer fremdsprachigen Inszenierung über einige Stunden hinweg folgen kann, da ist schon sehr viel Konzentration angesagt....auf jeden Fall wäre es ein interessantes Experiment!