Freitag, 24. Januar 2014

Wie rasch die Geschichte doch vorüber war. Weder gewaltig noch nichtssagend, bloß ungestüm. Und unbarmherzig. - Ian McEwan

Eigentlich sollte ich mich ja neben meiner Arbeit in der Werkstatt ausschließlich mit der Promotion meines e-shops und meiner Homepage beschäftigen. Wie es mir nach dem aufreibenden Umzug und all den damit verbundenen Veränderungen aber so ergeht, verschiebe ich so manch "gedankenreiches" oder zeitaufwendiges Problem auf morgen - oder übermorgen....und verliere mich mal wieder an den freien Abenden in meinen Büchern:  einfach, weil ich nicht immer so unglaublich tatkräftig sein kann, einfach, weil die finanziellen Probleme und die zahlungsunfähigen Kunden nicht weichen wollen, einfach, weil ich eine Auszeit brauche, einfach, weil ich das Gefühl habe, mein Kopf platze, wenn ich mir noch etwas mehr zumuten würde, und sei es nur der einfachste, neue Gedanke!
So beende ich jeden Arbeitstag mit der immensen Ungeduld, mich in meine "Bücherwelt", die einzig wirklich inspirierende und nicht ständig fordernde, zurückziehen zu können.....
Heute stelle ich euch ein Buch vor, das mir sicher in guter Erinnerung bleiben wird: Abbitte von Ian McEwan.

Ich sah das Buch bei einer Freundin. Ausschlaggebend waren für mich nicht der kurz gehaltene Klappentext, sondern die positiven Kommentare von Reich-Ranicki und Heidenreich (beide enttäuschen mich selten mit ihren Einschätzungen...).
Ian McEwan ist ein britischer Autor, den ich bis dato nur vom Hörensagen kannte. Ich erinnerte mich außerdem vage, daß es eine Verfilmung dieses Buches gibt mit Keira Knightly und Vanessa Redgrave.
Die Geschichte spielt in England am Vorabend des 2. Weltkrieges. Die wohlhabende Familie Tallis versammelt sich zu einer Feier auf ihrem Landsitz. Protagonisten sind die 13-jährige Briony Tallis, ihre schon erwachsene Schwester Cecilia und Robbie Turner, Sohn einer Hausangestellten, dessen Studium großzügigerweise von der Familie Tallis finanziert wird.
Der Abend dieser harmlosen, kleinen Familienfeier nimmt jedoch einen unerwarteten und unerfreulichen Verlauf. Ganz langsam erfahren wir dann die Hintergründe, die zu den Ereignissen an diesem Abend führten und wie sie das Leben der Protagonisten unwiederbringlich veränderten (faszinierend eindringlich im zweiten Teil des Buches die Beschreibung des Rückzugs der britischen Armee nach der Schlacht bei Dünkirchen!)....mehr wird hier natürlich nicht verraten!
Kaum hat man die Geschichte mit einem imaginären Seufzer zu Ende gelesen, folgt ein Nachwort, das der gesamten Erzählung nochmal eine grundlegende Wendung gibt....tja, und danach seufzt man dann wirklich!!!
Beeindruckt an diesem Buch hat mich die eindringliche Schreibweise des Autors, stellenweise war ich fast ein wenig an Jane Austen oder die Bronte-Schwestern erinnert, aber vor allem der Einfluß von Virginia Woolf läßt sich nicht verleugnen. Reich-Ranicki hatte also wieder mal Recht:
 " Ein glänzender Romancier, ein fabelhaftes Buch, eine wunderbare Liebesgeschichte."