Sonntag, 2. Februar 2014

Ich mag nicht den Mann ohne Frau, die Frau ohne den Mann, die leben sollen, Küsse entzündend, einander durchdringend, bis sie erloschen sind. - Pablo Neruda

In manchen Buchblogs ist in letzter Zeit die Rede davon, doch endlich mal den Stapel ungelesener Bücher, den sog. SUB, abzuarbeiten, statt sich immer noch mehr neue Bücher zu kaufen. Ein lobenswerter Vorsatz, auch wenn es schwierig sein mag, sich das eine oder andere Buch zu "verkneifen", vor allem wenn man überall mit Neuerscheinungen bombardiert wird.... Nun ja, hier im Ausland hat man das "Problem"  ja nicht so sehr und wird notgedrungenermaßen auf seinen SUB "zurückverwiesen".
Wie komme ich jetzt darauf?
Ich will Euch meine letzte Lektüre vorstellen, und mir wird dabei klar, daß ich mit meinen Empfehlungen natürlich nicht sehr aktuell bin, im Gegensatz zu den vielen Blogs, die fast nur Neuerscheinungen vorstellen. Ich schreibe meist nur über die gebrauchten Bücher, die man hier eben so bekommt von Freunden oder auf Basaren. Und auch das eine oder andere "alte" Buch aus dem Bücherregal kommt vor. Insofern mag es nicht viele von Euch interessieren....es sei denn, Ihr kennt dieses Buch zufälligerweise noch nicht. Nichtsdestotrotz also mal wieder eine Reise in meine eigene literarische Vergangenheit. Gefunden habe ich das Buch auf dem Bücherbasar, mir selbst war es auf meinen diversen Umzügen abhanden gekommen...
Eine kleine Perle der Literatur der 80er Jahre ist dieser kleine Roman von Antonio Skarmeta.
Gelesen hatte ich es schon kurz nach seinem Erscheinen (1984), als Romanistik-Studentin mußte man ja dann doch immer "aktuell" sein und hatte noch kein richtiges SUB...
Mit brennender Geduld ist die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Briefträger Mario und dem Dichter Pablo Neruda während der politisch stürmischen Zeiten im Chile der Präsidentschaft von Allende und der Diktatur Pinochets. Vor diesem Hintergrund entwickelt Skarmeta einen Roman, der die Kraft der Poesie selbst zum Thema hat. Neruda nimmt sich als beschützender Freund der stürmischen Liebesgeschichte zwischen Mario und seiner Beatriz an und zeigt uns, wie die Poesie das Leben zweier Menschen und ihrer Mitbewohner in einem kleinen chilenischen Fischerdorf prägt und verändert. Wenn am Ende des Romans die politischen Ereignisse das Leben der Protagonisten umstürzen, bleibt nur die Gewißheit, daß Poesie und Liebe auch dadurch nicht wirklich ausgelöscht werden können. Geschrieben ist das Ganze mit liebevollem Augenzwinkern trotz all der Ernsthaftigkeit der politischen Ereignisse, in der mitreißenden, überbordenden Sprache, die viele südamerikanische Autoren für mich einfach so lesenswert macht.
Ich kann es nur empfehlen. Und vielleicht erinnert sich mancher von euch noch an die schöne Verfilmung mit den unvergessenen Philippe Noiret und Massimo Troisi (Il Postino, 1994)?