Freitag, 28. März 2014

A classic is a book that has never finished saying what it has to say. ― Italo Calvino

Neulich....dachte ich über meine Bücher in meinen Regalen nach, über all die Bücher, die ich mir eines Tages noch gerne kaufen will, aber auch über all die Bücher, die ich wohl nicht mehr werde lesen können während meines Lebens.
Und dann wird mir klar, daß ich dabei vor allem an die sogenannten "Klassiker" denke, diese endlose Bücherwelt, die man - dem literarischen Kanon gemäß - unbedingt gelesen haben sollte. Ich habe sicherlich nicht wenige von ihnen bereits gelesen, aber dennoch sind da noch so unendlich viele, die ich lesen sollte - anstatt Ausschau zu halten nach den neu geschriebenen Büchern, mit denen wir tagtäglich überschüttet werden.
Zugegebenermaßen kann man sich dem so vielfältigen Werben um Leser schlecht entziehen: Abseits der alteingesessenen Feuilletons kaum eine Talkshow, in der nicht irgendjemand irgendein Buch vorstellt, kaum eine Buchmesse, die nicht mit einem unüberschaubaren Wust an neu erschienenen Titeln um die Gunst der Leser kämpft, kaum ein Buchblog, in dem nicht unaufhörlich neue Bücher vorgestellt werden.

Tja, und da bin ich nun mit meinem kleinen, literarisch altmodischen Blog, in dem ich gar selten ein ganz neu erschienenes Buch vorstelle....
Viel öfter schreibe ich über Bücher, die mir irgendwie und irgendwo in die Hände gefallen sind, meist nicht gerade druckfrische Titel. Oft greife ich auch auf meine eigene kleine Bibliothek zurück, auf Bücher und Autoren, die mit mir "in Würde gealtert" sind...
Und damit passe ich so gar nicht in diese spezielle Bücherblogger-Landschaft, in der sich so viele Leser tummeln, denen manchmal von den Verlagen sogar Rezensionsexemplare zugesandt werden. Da geht es dann zack-zack, ein Buch nach dem anderen wird verschlungen und den Bloglesern vorgestellt. Ich kenne sogar Blogs, in denen fast jeden Tag ein neues Buch vorgestellt wird, quasi über Nacht...Nun, ich bin nicht dieser "Lesetyp". Ich glaube, daß ich sehr sehr viel lese, aber so schnell geht's dann bei mir doch nicht!
Und dies bringt mich - um den Gedankenkreis für heute zu schließen - wieder auf die guten "Klassiker" im Sinne von Calvino zurück: so viele davon stehen in unseren Regalen. Manche wurden irgendwann vielleicht nur mal "angelesen", andere wurden vielleicht vor allzu vielen Jahren gelesen und viele andere wiederum vielleicht auf ein ungewisses Später vertagt; fast so, als wären wir uns sicher, daß sie uns nicht "weglaufen", gerade weil sie schon so lange dort ausharren...
Warum glauben wir dann aber, ein neu erschienenes Buch unbedingt gleich lesen zu müssen? Das läuft uns doch auch nicht weg, oder?
Dies sollte nun kein Angriff gegen all die tollen, neu erschienenen Bücher sein! Aber allemal ein Plädoyer für die guten, alten Titel, die sich noch ungelesen so in unseren Regalen (und natürlich auch in den Buchhandlungen) tummeln....lassen wir doch auch sie wieder zu Ehren kommen!
(Und ganz in diesem Sinne lese ich gerade einen Klassiker der amerikanischen Literatur des 20.Jahrhunderts: Herzog von Saul Bellow, erschienen 1964).