Sonntag, 30. März 2014

Der berühmte erste Satz....

William Faulkner sagte einmal: 
"Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will."

Im Jahre 2007 gab es sogar einen Wettbewerb der Initiative Deutsche Sprache und der Stiftung Lesen, der nach dem schönsten ersten Satz eines Buches fragte. In der Einleitung zum Wettbewerb hieß es:
„Der erste Satz ist wichtig. In der Liebe wie auch in der Literatur.
Ein guter erster Satz entscheidet oftmals schon darüber, ob wir uns in einen Menschen oder in ein Buch verlieben, ob wir berührt werden und uns voller Neugier auf das Versprechen einer guten Geschichte einlassen.“

Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel
Es ging in dem Wettbewerb auch um die anschließende Begründung, warum dieser erste Satz den Leser dann so von der Geschichte eingenommen hatte, daß er entschied, sich auf das Buch einzulassen. Da ich ja erst gestern von meinem Scheitern an Saul Bellows Herzog berichtete, kam mir spontan das oben genannte Zitat in den Sinn und ich fragte mich, wie die ersten Sätze der von mir besonders geliebten Bücher eigentlich lauten....
Hier eine klitzekleine, recht willkürliche Auswahl aus meinen Bücherregalen:

Mit der Zeit sind es nicht mehr so viele, doch darum noch nicht wenige Menschen, die sich in Ferrara an Doktor Fadigati erinnern... (Giorgio Bassani, Die Brille mit dem Goldrand)

Ich kenne Aja seit ich denken kann. (Zsuzsa Bank, Die hellen Tage)

Mrs. Dalloway sagte, sie wolle die Blumen selber kaufen. (Virginia Woolf, Mrs. Dalloway)

In der ganzen Welt gilt es als ausgemachte Wahrheit, daß ein begüteter Junggeselle unbedingt nach einer Frau Ausschau halten muß. (Jane Austen, Stolz und Vorurteil)

Sie hastet aus dem Haus, wirft einen für die Witterung zu schweren Mantel über. (Michael Cunningham, Die Stunden)

Der Tag, nach dem im Leben von Raimund Gregorius nichts mehr sein sollte wie zuvor, begann wie zahllose andere Tage. (Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon)

Und was fällt auf? Fast immer benennen diese ersten Sätze die Protagonisten, fast immer hat man das Gefühl, sich schon mitten in der Geschichte zu befinden und will mehr erfahren....
Ist das etwa das Geheimnis dieses berühmten "ersten Satzes", der oft über das weitere "Lese-Schicksal" eines Buches entscheidet?

Und nun die Frage an Euch! Welcher erste Satz hat Euch dazu animiert, eines Eurer Lieblingsbücher dann auch zu lesen und warum?


P.S. Und weil der erste Satz ja offenbar auch in der Liebe oft eine entscheidende Rolle spielen soll, nur soviel: Mein erster Satz, den ich vor bald 31 Jahren an den besten Ehemann von allen gerichtet habe, lautete: "Stehst Du hier immer nur so rum oder arbeitest Du hier auch?" Seine Antwort lautete "Ich bin hier der Chef!"... Autsch!!! :)