Dienstag, 18. März 2014

Er war noch zu jung gewesen, um zu wissen, dass das Gedächtnis des Herzens die schlechten Erinnerungen ausmerzt und die guten erhöht und dass es uns dank dieser Kunsttricks gelingt, mit der Vergangenheit zu leben. - Marquez

Nun, auch wenn Ihr's nicht glaubt: die letzten Tage bin ich wieder ausgiebigst am Lesen - nach anhaltenden Anfällen von Depression, Verzweiflung, Überdruss und und und...(Du, liebe Isabelle, hast es ja vorausgesagt: wenn ich wieder ein Buch vorstelle, geht es mir wohl wieder etwas besser!)
Trotzdem,  im Zuge der Erinnerungen, der  persönlichen "Aufarbeitungen" und der Flucht aus der Realität wieder ein Rückgriff auf meine eigene Vergangenheit:
Erschienen auf deutsch 1987, ein "must read" als Romanistik-Studentin, verlorengegangen während meiner diversen Umzüge, wundersamerweise wiedergefunden im Dezember auf dem Bücherbasar und mit viel Liebe abgelegt in meinem "Bücherreservoir":




Und die Frage: soll ich das hier jetzt noch erwähnen? Fast jeder von Euch hat es wohl schon gelesen....
Also nur kurz: Kolumbien am Übergang zum 20.Jhd.. Florentino verliebt sich in die blutjunge Fermina und macht ihr auf alle erdenklichen Arten den Hof. Sie aber fühlt sich aufgrund ihrer Jugend von dieser drängenden Anbetung überfordert und heiratet schließendlich einen angesehenen Arzt. Erst 51 Jahre später, nach dem Tode ihres Mannes, erhört Fermina schließlich Florentino , der sich über all diese Jahre die Liebe zu ihr bewahrte, auch wenn er zahllose Beziehungen zu Frauen hatte.
Eine auf den ersten Blick so simple Geschichte, die aber in ihrer Darstellung so anrührend und in ihrer Leichtigkeit und Fülle so mitreißend ist, daß man das Buch nicht weglegen kann....
Wieder zeigt sich diese unbändige Fabulierlust der Südamerikaner, die immer aus dem Vollen schöpfen. Ich erinnere mich unter anderem an so wunderschöne Bücher wie Allendes Geisterhaus, Amados Dona Flor und ihre zwei Ehemänner, Gabriela wie Zimt und Nelken, Jubiaba oder wiederum Marquez' Hundert Jahre Einsamkeit und Chronik eines angekündigten Todes. In all diesen Büchern offenbart sich uns Lesern ein literarischer Kosmos, der so vital, so facettenreich und trotz aller thematisierten Widrigkeiten so lebensbejahend ist, daß man diese Bücher immer wieder lesen kann.
(Das Buch wurde übrigens vor ein paar Jahren verfilmt, mit dem so talentierten Javier Bardem in der Rolle des Florentino. Der Film bekam weltweit keine guten Kritiken, aber mir hat er trotzdem gut gefallen!).
In meinem Regal wartet mittlerweile noch  Das grüne Haus von Mario Vargas Llosa auf mich.
Und für mich ganz neu entdecken möchte ich noch den uruguayischen Autor Juan Carlos Onetti, vor allem seinen bekanntesten Roman Das kurze Leben.