Sonntag, 30. März 2014

Man muß ums Leben kämpfen. Das ist die vornehmste Bedingung, unter der man es erhalten kann. - Saul Bellow

Kurzer Bericht eines Scheiterns...
Wie schon erwähnt, las ich die letzten Tage den Roman Herzog des amerikanischen Nobelpreisträgers Saul Bellow. Erschienen ist das Buch 1964, bekam den National Book Award und wurde hochgelobt: "Es kann keinen Zweifel geben, daß Saul Bellows Roman eine Sternstunde ist", schrieb damals die FAZ.
Das Buch harrte in meinem Regal schon länger der kommenden Dinge. Wie es einem aber beim Lesen manchmal so ergeht, findet man nicht immer gleich auf den ersten Seiten den richtigen Einstieg. Und da ich, ganz wie im richtigen Leben, auch beim Lesen durchaus auch stur sein kann (vielleicht auch eine Hinterlassenschaft des Studiums, wo man so manches öde Buch lesen mußte?), wollte ich die Flinte nicht schon nach den ersten 20 Seiten ins Korn werfen. Also las ich weiter und weiter und weiter, immer in der Hoffnung, der "Leseknoten" möge endlich aufgehen....Tja, ihr könnt Euch denken, wie die Geschichte endet: auf Seite 108 die bedingungslose Kapitulation!

Warum schreibe ich dann hier überhaupt darüber?
- Es gibt die Bücher, die ich nicht notwendigerweise für schlecht, aber hier für nicht weiter erwähnenswert halte.
- Es gibt die kleinen "Perlen", die ich unbedingt weiterempfehlen will.
- Und dann gibt es noch Bücher, bei denen ich den Verdacht hege, daß es mir nur momentan nicht gelungen ist, den Zugang dazu zu finden. Oder anders ausgedrückt: Das falsche Buch zur falschen Zeit.
Herzog ist so ein Beispiel. Erzählt wird die Geschichte des alternden Universitätsprofessors Moses Herzog, der versucht, für sich und sein Leben Bilanz zu ziehen. Bellow ergeht sich in tiefschürfenden politischen, philosophischen und psychologischen Betrachtungen, alles gebrochen in verschiedenen Erzählperspektiven, alles in Bellows wunderbarer Sprache - auf den ersten 108 Seiten zumindest!
Und dennoch: So sehr ich Bellow schätze, das war dann erstmal doch nichts für mich, zu mühsam, zu zäh, zu tiefschürfend, zu heftig. Trotzdem werde ich dieses Buch wieder in mein Regal zurückstellen in der Hoffnung, daß seine richtige Zeit kommen möge.
Fazit: Ihr werdet nun sagen, ok, man muß ja nicht zu jedem Buch den Zugang finden, man muß auch nicht jedes Buch eines bestimmten Autors für gut befinden, man soll sich auch nicht von irgendwelchen Lobhudeleien beeinflussen lassen...
Aber habt ihr bei manchen Büchern nicht trotzdem das Gefühl, sie sind eines schönen Tages eines zweiten Versuches wert?
P.S. Jetzt habe ich mir Bellows "Der Regenkönig" gegriffen - in meiner Sturheit bleibe ich wenigstens dem Autor treu! Mal sehen, was mich erwartet...