Samstag, 29. März 2014

Räumliche Konzeptionen...


Neulich....schmökerte ich mal wieder an einem ruhigen Abend in meinen Kunstbüchern und "stolperte" über einen Künstler, den ich besonders interessant finde.
Wann immer ich nach München komme, besuche ich meine beiden absoluten Lieblingsmuseen dort: Die Alte Pinakothek und die Pinakothek der Moderne. Der Spagat könnte größer nicht sein: Von der Renaissance mal schnell an der nächsten Straßenecke ab zur Moderne! Aber da ich ja generell einen sehr sprunghaften Charakter habe, entspricht mir diese Art der Kunstbetrachtung...

Als ich die Pinakothek der Moderne zum allerersten Mal besuchte, hatte es mir u.a. ein Bild ganz besonders angetan:
Lucio Fontana, Concetto Spaziale New York, 1962

Ich hatte damals nur wenig Ahnung von moderner Kunst, wußte rein gar nichts über diesen Künstler, konnte mir zu seinem Kunstkonzept nichts vorstellen und war trotzdem tief beeindruckt. Als ich dann vor ein paar Jahren neben der Arbeit mein Fernstudium der Kunstgeschichte (ein jahrelang gehegter Wunsch) begann, begegneten mir dieses Bild und sein Künstler plötzlich im 2. Studienjahr wieder!
Das obige Photo aus dem Internet ist vielleicht nicht genau dasselbe Bild, das in München hängt, hat Fontana doch mehrere dieser Bilder zum Thema New York kreiert. Aber das Konzept war immer das gleiche: ein riesiger Holzrahmen, bezogen mit schillernder Kupferfolie, die vertikal eingeschnitten ist. Steht man davor und liest den Titel "New York", stellt man vielleicht einfach erstmal die Konnotation mit den Wolkenkratzern der Stadt her. Zumindest dachte ich mir das damals so, als ich über die vertikalen Schnitte in der Folie nachdachte. Später dann in meinem Studium lernte ich jedoch, daß auch eine theoretische Grundlage hinter diesen Schnitten steht, die Fontana (1899-1968) in einer Reihe seiner bekanntesten Bilder und Skulpturen immer wieder aufgegriffen hat. Es ging vor allem darum, die Zweidimensionalität von Bildern zu durchbrechen und aus den Schranken des vorgegebenen Mediums - die flache Leinwand - auszubrechen. Fontana nimmt die monochromen Bilder der Modernisten auf,  schafft aber durch das Zerschneiden der "Leinwand" eine räumliche Dimension - deshalb auch die Titelgebung "Räumliches Konzept".

Ein einfacher Gedanke, werdet ihr nun sagen. Stimmt wohl, aber darauf kommen muß man erstmal! Viele bekannte Avantgarde- Künstler haben auf ganz verschiedene Weise versucht, dem flachen Medium Leinwand neue Konzepte abzugewinnen. Und so ist moderne Kunst oft noch interessanter, wenn man die eine oder andere konzeptionelle Überlegung kennt, die dahinter steckt. Vor allem die Kunst der ersten Hälfte des 20 Jhs. ist so überaus reich an radikalen Neuerungen und entsprechender Kunsttheorie. Mit meinem immer noch recht beschränkten Wissen dazu im Hinterkopf werde ich beim nächsten München-Besuch  auch endlich endlich endlich mal eine richtige Führung durch die Pinakothek der Moderne mitmachen...