Samstag, 8. März 2014

Scheidewege....

Heute fand ich auf Facebook folgendes Hemingway-Zitat, das mich nachdenklich gemacht hat:

"Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen: an den wichtigen Scheidewegen des Lebens
 gibt es keine Ausschilderung!"

In Zeiten einer wirtschaftlichen - oder auch anderweitigen - Krise beginnt man unwillkürlich, sich Gedanken zu machen über all das, was einen in die Situation geführt hat, die man momentan durchleben muß. Immer wieder denkt man darüber nach, was man wohl in der Vergangenheit falsch gemacht hat, warum man in dieser Sackgasse angekommen ist, was anders gelaufen wäre, hätte man die eine oder andere grundlegende Entscheidung eben anders getroffen...
Auch ich wälze diese Gedanken hin und wieder - vor allem in schlaflosen Nächten, wo selbst ich zum Lesen zu müde bin-  und stelle dann fest, daß manche Entscheidungen einem aufgezwungen wurden, zur besagten Zeit nicht anders möglich waren oder auch aus großen Ängsten getroffen wurden....
Und in der Rückschau wird man sich bewußt, wie falsch sie oft waren!

Deshalb hat mich das oben zitierte Hemingway-Zitat auch sehr berührt: Ich kann gar nicht mehr nachrechnen, wie oft ich in meinem Leben an diesem unausgeschilderten Scheideweg angelangt bin! Nie im Persönlichen - der einzige Bereich wohl, in dem ich die richtige Entscheidung getroffen habe; aber, was mein Berufsleben anbelangt, muß ich mich doch immer wieder fragen "was wäre wenn....".
Nun kann man in Zeiten einer so ausgeprägten wirtschaftlichen Krise sicher nicht eine wirklich reelle Einschätzung vornehmen. Ist man jedoch kein überheblich-selbstgerechter Mensch, beginnt man doch, sich mit all diesen Zweifeln "rumzuschlagen", und fragt sich ständig, an welchen Abzweigungen des Lebens man definitiv falsch gewählt hat....

Nun ist das Zitat von Hemingway andererseits auch wieder tröstlich, denn, so sagt er, sollten wir uns endgültig mit dem Gedanken abfinden, daß es im Leben eben nie richtig ausgewiesene Wege gibt...

Dies erinnert mich auch - ganz profan im Anschluß an Hemingway-  an eine Folge der wunderbaren Serie "Sex and the City (die ich übrigens für eine der witzigsten und intelligentesten Serien der vergangen Jahre halte). Die besagte Folge war betitelt: " Coulda, Woulda, Shoulda..." - oder auf deutsch "Hätte, Würde, Sollte".  Ein wunderbarer Titel, denn:
Bringt es Sinn, unser Leben "konjunktivistisch" aufzuarbeiten?

Passend zu meinen heutigen Gedanken fand ich dieses Gedicht "im Konjunktiv"  auf die immerwährende Frage
Was wäre wenn....?

Wohin würde uns das führen?  
Öffnete uns dieses Türen?
Blieben keine Fragen offen?
Hülfe es beim bangen Hoffen?
Stoppte dies den Seelenhandel?
Klärte dieses einen Streit?
Würde man dadurch gescheit?
Hieß dies: kleine Brötchen backen?
Wäre Schluss mit dummem Schnacken?
Käme all das voll ins Lot?
Löschte es der Menschen Not?
(http://www.allmystery.de/themen/ph95168-6)

Und Eure Antwort wäre...?