Samstag, 19. April 2014

Ein Osterhase...

Meine Osterwünsche an meine Freunde und Kunden auf Facebook schmückt dieses Jahr ein ganz besonderer Hase: Albrecht Dürers (1471-1528) berühmter Feldhase - der wohl bekannteste Hase der abendländischen Kunstgeschichte.....
Und weil ich dieses Bild nicht "einfach so" ausgewählt habe, möchte ich Euch darüber ein wenig erzählen:
Entstanden ist das Aquarell im Jahre 1502, gehörte zu einer ganzen Reihe von Dürers Naturstudien und gilt heute als eines der bedeutendsten Bilder der deutschen Renaissancemalerei.
Als herausragender Renaissancekünstler interessierte sich Dürer für realitätsnahe Naturstudien, ging es doch generell um den unverstellten Blick auf die Natur und nicht mehr um eine mythisch erhöhte Darstellung von Mensch und Natur. (Dieses neue Kunstverständnis und das Interesse für die Natur erkennen wir z.B. auch einige Jahre später in Leonardo da Vincis bahnbrechenden, anatomischen Zeichungen).
Die Kunstbuchautorin Angela Wenzel schrieb, daß Tierdarstellungen bis dahin immer nur "in religiöse Bilder verpackt waren. Aber jetzt kommt der Hase alleine daher. Dieser Hase ist einfach nur Hase." Liegt darin letztlich seine heutige Bedeutung?

Das Bild, mit Aquarell- und Deckfarben gemalt,  ist sehr klein, gerade mal 25x22 cm groß. Umso mehr erstaunt einen bei dieser geringen Größe die Genauigkeit der Zeichnung, man möchte fast meinen, der Hase springe im nächsten Moment quicklebendig "aus dem Bild"! Die Detailgenauigkeit begeistert den Betrachter, erkennt man im linken Auge gar ein winziges Fensterkreuz! Dies hatte übrigens zur Vermutung geführt, Dürer habe einen lebendigen Hasen in seinem Atelier gemalt - was nur schwer vorstellbar ist, denn welcher Hase sitzt schon stundenlang reglos "Modell"?!

Seit dem 18. Jahrhundert ist das Bild nun im Besitz der Wiener Albertina. Zu sehen dort ist allerdings nur eine Kopie. Das Original wird nur alle paar Jahre in der Albertina ausgestellt, um es vor Licht und Luft zu schützen. Gerade jetzt ist es aber zu sehen in der Ausstellung "Dürer, Michelangelo, Rubens". Wenn Ihr also zufällig die nächste Zeit nach Wien kommen solltet....der kleine "Osterhase" erwartet Euch!
Was malt er nicht alles, auch was man nicht malen kann, 
Feuer, Strahlen, Donner, Wetterleuchten, Blitze, und Nebelwände, 
die Sinne, alle Gefühle, endlich die Seele des Menschen.
(Erasmus von Rotterdam über Dürer)