Freitag, 25. April 2014

Warum sonst hättest du dein ganzes Leben damit verbringen sollen, Worte auf Papier zu bluten?

Auf dieses Buch habe ich lange gewartet. Seit letztem Jahr hing die Buchbesprechung aus Der Spiegel an meinem Kühlschrank. Noch war mir das Buch aber zu teuer, als TB ist es auch jetzt noch nicht erschienen. ABER....mir kam dann per Zufall eine günstige gebrauchte Ausgabe unter, worüber ich mich natürlich ganz doll gefreut habe!
Die meisten von Euch kennen ja Paul Auster oder haben zumindest schon mal von ihm gehört...ich verweise nur auf seine tolle New York-Trilogie!
Jetzt hat er ein Buch vorgelegt, das mit seinen Romanen nichts zu tun hat, denn hier geht es nicht um Fiktion, sondern um seine Erinnerungen. Es wäre verfrüht, hier von "Memoiren" zu sprechen, der Mann ist zur Zeit des Schreibens gerade mal Anfang sechzig. Vielmehr handelt es sich um eine Ansammlung von kleinen Erinnerungen.
Das Buch ist wundersam strukturlos, mit fast willkürlich anmutenden Zeitsprüngen in die Vergangenheit. Und so erzählt Auster äußerst offen, ehrlich und pointiert aus seinem Leben. Gerade diese "Nicht-Strukturalität" (ist das ein Wort ???? ) macht es aber auch nie langweilig. Man liest einfach so vor sich hin und läßt sich von und mit Austers Gedanken treiben. Da werden sämtliche Wohnsitze seines Lebens minutiös beschrieben, mit den für sein Leben wichtigen Begebnissen an diesen Wohnorten ausgeschmückt, da werden Krankheiten, Auslandsaufenthalte, Liebesgeschichten, Familiengeschichten und so viel mehr in lockerer Reihenfolge erzählt und mit dem Zeitabstand des fortgeschrittenen Alters neu bewertet, eingeordnet, ja manchmal geradezu seziert. Gerade deshalb wird es vermutlich nie langweilig, und man kommt dem Autor dabei näher als vielleicht in "konventionell" geschriebenen Memoiren oder Autobiografien. Ein wirklich schönes Buch!

Eine Tür ist zugefallen. Eine andere Tür hat sich geöffnet. 
Du bist in den Winter deines Lebens eingetreten.


Der Spiegel schrieb:  "Indem Auster mit geradezu obsessiver Freude seinen Gliedmaßen und Sinneswahrnehmungen nachspürt, schafft er immerhin, dass die komplette Gattung Autobiografie ausgesprochen jung wirkt. Die ewige kulturgeschichtliche Debatte um die Vormacht von Raum oder Zeit löst er dialektisch auf: Raum im Laufe der Zeit."