Mittwoch, 18. Juni 2014

Alles eine Frage der Höflichkeit....

Höflichkeit ist wie ein Luftkissen: es mag wohl nichts drin sein, 
aber es mildert die Stöße des Lebens.
Arthur Schopenhauer


Neulich schrieb ich ja schon über unsere vernachlässigte Sprache innerhalb der modernen Kommunikationsmedien. Aus aktuellem Anlaß möchte ich noch einen anderen Aspekt hinzufügen: Das Verschwinden jeglicher Höflichkeit durch diese neue Art der Kommunikation.

Sollte so Mancher vielleicht lesen....
Da schreibt man eine geschäftliche Email mit einer einfachen Anfrage und muß sage und schreibe 13 Tage auf eine Antwort warten! Genau das ist mir erst neulich passiert. Gut, ein paar Tage "Luft" sollte man dem Empfänger zugestehen. Als aber nach 1 Woche noch keine Reaktion kam, habe ich dieselbe Email - schon gehörig genervt - mit dem Zusatz "2. Versuch!" nochmals verschickt. Danach beschlich mich noch dazu die Unsicherheit, ob die Email dort überhaupt je angekommen ist! Ich überprüfte nochmal die Adresse und überlegte mir dann zeitweise, dort anzurufen und nachzufragen...Jedenfalls kam nach weiteren 5 Tagen dann endlich eine Antwort - ohne ein Wort der Entschuldigung für die Verzögerung, versteht sich!
Darüber habe ich mich außerordentlich geärgert, denn gerade die heutigen Kommunikationsmittel wie Email erlauben es, z.B. eine automatische Antwort zu generieren, die den Erhalt bestätigt, wenn man noch etwas Zeit für die definitive Antwort benötigt, oder darauf hinweist, daß der Empfänger zur Zeit in Urlaub ist, oder oder oder....
Da sitze ich nun jeden Tag am Laptop, checke meine Emails durch, bestätige den Erhalt, bitte mir noch etwas Zeit aus oder schreibe definitive Antworten. Und ich empfinde das als äußerst einfach und zeitsparend, wenn ich an frühere berufliche Erfahrungen denke, wo man noch Briefe, später dann Faxe verschicken mußte oder anrufen mußte, um den Erhalt eines Schreibens zu bestätigen und auf später vertrösten mußte. Dies gehörte in der Privatwirtschaft - nicht unbedingt im Amtswesen - einfach zum professionellen und höflichen Geschäftsgebaren.
Heute ist davon oft nicht mehr viel zu spüren. Diese Art "geschäftsunmäßiger" Unhöflichkeit begegnet mir immer wieder, und nach wie vor kann ich mich maßlos darüber aufregen. Dem Absender wird damit -willentlich oder unwillentlich- suggeriert, daß man ihn nicht ernst nimmt, geschweige denn sein Anliegen.
Unsere Kommunikationswelt ist so einfach geworden, was vor allem im professionellen Tagesgeschäft ein absoluter Segen ist, dabei sollte man dennoch nicht vergessen, daß noch immer Menschen und menschliche Anliegen hinter all den Emails stecken. Wir rennen rum mit unseren Smartphones, können jede Email sofort sehen, twittern, posten etc.. Im Privatbereich sind wir ja so schnell zur Hand mit Antworten, warum dann nicht auch im täglichen Berufsleben?  Man mag kein Papier mehr in der Hand halten, das einen täglich ermahnt, daß man antworten muß, aber auch eine Email ist nach wie vor ein Schreiben, das einer Antwort bzw. höflichen Zwischenantwort würdig ist....
 Und die Moral von der Geschicht':  
Solches Geschäftsgebaren läßt immer einen ersten, schwer revidierbaren  Rückschluß auf den Empfänger, seine Unprofessionalität und seine Unhöflichkeit zu!