Sonntag, 1. Juni 2014

Da will man nun eine liebe Blogger-Kollegin nicht im Stich lassen und den Sonntagsgruß ins Web entsenden, aber dann sucht man die Inspiration an diesem wunderschönen Sonntagmorgen....
Ein Schriftsteller oder professioneller Schreiber würde von einer "Schreibblokade" sprechen, und Marcel Reich-Ranicki prägte dazu das schöne Bonmot:

Manchmal ist eine Schreibblokade für die Leser ein Segen, das wollen wir nicht vergessen!

Also will ich meine Leser nicht weiter langweilen heute mit meinem Geschreibsel über nichts. Ich widme allen meinen Mitbloggern einfach das Porträt eines berühmten, schreibenden Mannes, der wohl nur selten inspirationslos blieb:


Hans Holbein d.J., Der schreibende Erasmus von Rotterdam
Der junge Hans Holbein porträtierte den niederländischen Philologen und Philosophen Erasmus von Rotterdam im Jahre 1523 in der Pose des hochkonzentrierten Schriftstellers beim Verfassen seines Kommentars zum Markus-Evangelium. Und, weil in der Kunstgeschichte die Geschichten "hinter" den Bildern oft so interessant sind, will ich euch nicht vorenthalten, daß der junge Holbein eigentlich nur zweite Wahl war für den sehr ehrgeizigen Erasmus. Viel lieber wollte der sich nämlich vom berühmten Zeitgenossen Albrecht Dürer porträtiert sehen. Dürer hatte bereits im Jahre 1520 einige Skizzen von Erasmus angefertigt, aber dann nicht weiter ausgearbeitet. Uns so wartete Erasmus ungeduldig auf Dürers Kupferstich und ließ sich zwischenzeitlich vom jungen Holbein porträtieren.
Als der Stich dann endlich 1526 eintraf, war Erasmus zwar von der Qualität der Arbeit angetan, aber sehr enttäuscht über die fehlende Ähnlichkeit des Porträts mit ihm selbst - naja, sehr schmeichelhaft ist es ja auch wirklich nicht!  Die Inschrift auf der Schrifttafel im Hintergrund lautet: „Bildnis des Erasmus von Rotterdam von Albrecht Dürer nach dem Leben gezeichnet. Seine Schriften geben ein besseres Bild“. Dies sollte den Betrachter darauf hinweisen, daß die Kunst zwar den Körper, nicht aber den Geist darstellen kann, wie es nur durch das geschriebene Wort möglich ist....aber vielleicht war sie ja auch ein wenig ironisch gemeint?! (Nachzulesen bei Oskar Bätschmann, Holbein d.J.).

Seht ihr, da denkt man nun über seine fehlende Inspiration nach, und dann entsteht beim zweiten Tässchen Kaffee daraus doch noch eine kleine Sonntagsgeschichte für euch...