Mittwoch, 4. Juni 2014

Weniger ist mehr. - Ludwig Mies van der Rohe

Bei meinen kürzlichen Arbeiten mußte ich unwillkürlich über den Begriff Minimalismus nachdenken. Wir gebrauchen das Wort ja sehr oft, aber wissen wir eigentlich, was es damit auf sich hat?
Ich denke dabei zuerst an Kunst, Architektur und Design, aber immer wieder begegnet uns das Wort auch in Bezug auf eine einfache Lebensweise.
Sol de Witt, Tower, 1984

In der bildenden Kunst bezeichnet Minimalismus, eigentlich Minimal Art, eine Gegenströmung zur Malerei des Abstrakten Expressionismus im Amerika der 60er Jahre. Kurz gesagt: Es ging um die Reduzierung auf einfache, wiederholbare Formen und Strukturen. Dabei dachten die Künstler vor allem an räumliche Kunst, also nicht mehr so sehr an Malerei. Künstler wie Judd, deWitt oder Andre beeinflussen die Kunst mit ihren räumlichen Skulpturen bis heute.




 

Van der Rohe, Farnsworth House
In der Architektur ist uns der Minimalismus wohl am geläufigsten. Wir denken instinktiv an klare Formensprachen, das Fehlen dekorativer Elemente und reduzierte Farbspektren. Das obige Zitat von Mies van der Rohe ( übrigens eine Zeile aus einem Gedicht von Browning aus dem 19.Jahrhundert) wurde denn auch Programm für die reduzierte Architektur des 20.Jahrhunderts.




Mies van der Rohe, 1927
Im Design entstand eine fließende Grenze zum Funktionalismus. Dahinter stand die Idee, daß allein schon die Funktionalität eines Gegenstandes oder eines Gebäudes deren zeitgemäße Schönheit ausmache. Dekorative Elemente hatten folglich hinter der Funktionalität zurückzutreten.

Soviel zum Minimalismus in den rein künstlerischen Bereichen. Aber was hat es mit dem Minimalismus im Hinblick auf unsere Lebensweise auf sich?



Bezogen auf die Idee vom einfachen Leben ist der Minimalismus als Gegenströmung zum zeitgenössischen, ausufernden Konsumverhalten und der Überbewertung von Geld und Besitz zu verstehen. Und genau dieser Punkt machte mich nachdenklich:
In Zeiten einer wirtschaftlichen Krise ergibt sich Minimalismus von allein, denn man kann dem allgemeinen Konsumverhalten aus Geldmangel nicht mehr folgen. Aber abgesehen davon stelle ich an mir selbst fest, daß ich mit zunehmendem Alter das Gefühl habe, immer weniger zu benötigen. So waren die Umzüge der letzten Jahre für mich eigentlich immer eine Gelegenheit, mich von viel überflüssigem Tand zu trennen. Ganz im Gegenteil beruhigt mich mittlerweile der Gedanke, nur noch das absolut Notwendigste in meiner Wohnung zu haben, und damit die Gewißheit, meine gesamte Habe in kürzester Zeit einpacken zu können.
Nicht, daß ihr jetzt glaubt, bei mir seien leere Wände anzutreffen, nein, soweit ist es noch nicht! Aber generell interessiert mich der eine oder andere nette "Schnickschnack" nicht mehr wirklich. Ich fühle mich absolut wohl in meinen vier Wänden, ich brauche nichts mehr - Bücher und Reisen ausgenommen, da tut mir unser Geldmangel nach wie vor so unendlich weh, weil mir unauslöschliche Eindrücke und Erfahrungen für mein restliches Leben verwehrt bleiben werden!
Wenn ich aber partout eine kleine Veränderung in meinem Ambiente benötige, dann kann ich Gott sei Dank selbst Hand anlegen und die eine oder andere Dekoration selbst basteln, wie z.B. diese minimalistischen Häusergirlanden:







In diesem Sinne: Weniger mag nicht immer mehr sein, aber meistens mehr als genug!