Sonntag, 13. Juli 2014

Die Geschichte lehrt die Menschen, daß die Geschichte die Menschen nichts lehrt. - Mahatma Gandhi

Ein Sonntagsgruß mit etwas gemischten Gefühlen wird das diesmal...
Deutschland steht heute im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft, und im Nahen Osten herrscht Chaos. So schön der sportliche Erfolg der deutschen Fußballer auch sein mag, all das verblaßt angesichts des Weltgeschehens. Da wurden vor einigen Spielen von den Mannschaften Aufrufe verlesen gegen Rassismus und Diskriminierung im Sport, zugegebenermaßen eine schöne Geste. Derweil aber dreht sich das politische Rad unbeirrt weiter, den Menschen im Gazastreifen fliegen die Raketen um die Ohren, es wird umsonst gehaßt, es wird umsonst gestorben....
Nun, Mancher wird sagen, was hat das Eine mit dem Anderen zu tun - für mich insofern, als wir wieder feststellen, daß die Menschheit nichts dazulernt. Geschichte wiederholt sich. Auch das eine traurige Tatsache.
Und weil meine kurzen sonntäglichen Ausflüge in die Kunst sich so langsam einbürgern, denke ich heute spontan nur an ein Bild, das zu meinen widersprüchlichen Gedanken paßt:

Pablo Picasso, Guernica
Ach ja, Picasso! Nicht all seine künstlerischen Phasen gefallen mir. Aber ich beneide ihn um seine lebenslange schöpferische Kraft. Ein langes Leben ward ihm beschert, und liest man das Buch seiner langjährigen Lebensgefährtin Francoise Gilot (Mein Leben mit Picasso), erscheint er menschlich nicht gerade sehr sympathisch. Aber er hat unermüdlich etwas Neues geschaffen, er ruhte sich nicht auf seinen Erfolgen aus, er war ein ewig Suchender bis ins hohe Alter. Wieviele künstlerischen Strömungen des 20. Jahrhunderts hat er mitgestaltet und primär beeinflußt- diese schöpferische Ruhelosigkeit eines Menschen bewundere ich unendlich!
Picasso malte das Riesengemälde (3.50 x 7,70m) im Jahre 1937 als Antwort auf die Bombardierung der baskischen Stadt Guernica durch deutsche Flieger während des spanischen Bürgerkriegs. Schaut man genauer hin, beeindruckt die Darstellung menschlichen (und tierischen) Leids. Das Bild zeigt 4 Frauen: eine fällt von einem brennenden Haus, zwei weitere fliehen in Panik, die vierte hält schreiend ihr totes Kind im Arm. Am Boden im Vordergrund liegt ein zerstückelter Soldat, während sein Pferd sich im Todeskampf windet...
Wieder muß man bedenken, daß die Größe des Gemäldes das Grauen noch intensiviert. Auch die wohl ganz bewußte Farblosigkeit intensiviert die Tristesse des Themas, wie mir scheint. Die kunsthistorischen Interpretationen von "Guernica" sind vielfältig und widersprüchlich, aber Kunst soll primär unsere Emotionen und erst sekundär den Intellekt ansprechen, deshalb mag jeder Betrachter seine eigenen Empfindungen haben. Unbestreitbar jedoch steht "Guernica" exemplarisch für die Greuel eines jeden Krieges.
Es ist überliefert, daß während des 2. Weltkriegs ein Nazi-Offizier in Picassos Pariser Atelier ein Photo des Gemäldes sah und Picasso fragte: "Haben Sie das gemacht?" - "Nein, Sie!" - war des Künstlers lakonische Antwort...




1 Kommentar:

  1. Ein große Künstler muss noch lange kein netter Mensch sein. Es wird sich wohl leider nie etwas ändern. Die einen amüsieren sich zu Tode, die andeen bomben sich zu Tode. Eines lehrt die Geschichte tatsächlich, dass es immer schon so war und immer so sein wird. Auch ohne die Fußballweltmeisterschaft wäre die Welt keine anderen.
    Ich frage mich allerdings immer wieder was am Frieden eigentlich so schrecklich sein muss. Nichts wird so häufig zerstört wie der Frieden. Traurig.
    Trotzdem wünsche ich noch einen schönen Sonntag und sag danke für diesen weiteren Ausflug in die Kunst.

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