Sonntag, 6. Juli 2014

Sonntagsspaziergang gefällig?

Wie verbringen wir eigentlich unsere Sonntage?
 So Mancher schläft erstmal gemütlich aus oder macht sich auf in den sonntäglichen Gottesdienst. Andere wiederum gehen hinaus in die Natur, treiben Sport oder gehen vielleicht einfach nur spazieren. Und dann gibt es nicht Wenige, die, gutes Wetter hin oder her, einfach nur die Ruhe genießen wollen und es sich (vielleicht mit einer guten Lektüre) zu Hause gemütlich machen...
Irgendwie haben wir doch alle, je nach Interessen und Vorlieben, unsere Rituale entwickelt.  Beim Nachdenken über unsere sonntägliche Freizeitgestaltung fiel mir dann auch das wunderbare Bild des französischen Malers George Seurat ein, das ihr sicher alle schon mal gesehen habt:

George Seurat, Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grand Jatte




Entstanden zwischen 1884 und 1886,  mißt das Bild immerhin ca. 2x3 m, ist also bestimmt sehr imposant, wenn man davorsteht. (Leider befindet sich das Bild in Chigaco, für mich also viel zu weit weg, um es je in natura betrachten zu können). Die Größe eines Bildes ist  immer eine erste wichtige Information, denn dadurch können wir eine Vorstellung vom Eindruck bekommen, den ein Bild auf den Betrachter hat. In den stilisierten, silhouettehaften, statisch wirkenden Figuren Seurats erkennt man schon die kühnen Überlegungen über den "angesagten" Impressionismus jener Jahre hinaus:
 Die ungemischten, reinen Farben sind in klitzekleinen Punkten aufgetragen (Pointillismus) und entfalten erst aus einer gewissen Distanz homogene Farbflächen in den Augen des Betrachters. Seurat war ein Vorreiter und Meister dieser rasterhaften Maltechnik. Es ging ihm nicht mehr um die realistische, impressionistische Momentdarstellung, sondern um eine streng durchkomponierte Darstellung, wie man bei dieser typischen Sonntags-Szenerie am Ufer der Seine beobachten kann.
1885 zeigte Seurat sein Bild auf der letzten Ausstellung der Impressionisten, und das Publikum war denn auch angesichts dieser neuen Maltechnik und Komposition ziemlich irritiert:
Beim ersten Anblick erschraken die Betrachter. Alles war neu an diesem riesigen Bild: 
die kühne Konzeption und die Technik, von der bisher niemand eine Vorstellung hatte. 
Das also war der berühmte Pointillismus.
( Pierre Courthion: Georges Seurat. DuMont. Köln 1991)

Mit diesem "Sonntagsbild" wünsche ich Euch einen schönen Sonntag- wie und wo immer Ihr diesen Tag auch verbringen möget!