Donnerstag, 17. Juli 2014

Und dann kam Gillian, und wir waren zu dritt....Julian Barnes

Vor ein paar Tagen kam wieder meine lang ersehnte Lieferung gebrauchter Bücher....Obwohl ich mich unter den fünf Büchern kaum entscheiden konnte, las ich als erstes das Buch eines meiner sehr geschätzten Autoren, Julian Barnes.
Eine auf ersten Blick Dreiecksgeschichte nach dem Schema Jules et Jim, wenn Ihr Euch an Truffauts Film mit Oskar Werner und Jeanne Moreau noch erinnern könnt....
Auf den Film wird im Buch auch Bezug genommen. Aber Barnes erzählt natürlich seine so ganz eigene Version. Zuallererst nimmt einen die wirklich großartige Übersetzung gefangen. Wie wird da gespielt mit englisch-deutschen Idiomatismen! Wie wird da der englische Humor genial ins Deutsche übertragen!
Abgesehen davon aber, entwickelt der Autor eine originelle Geschichte zwischen dem etwas drögen Stuart, der kühlen Gilles und dem Schwerenöter Oliver, der seinem Jugendfreund Stuart dessen Frau Gilles ausspannt....Erzählt wird alternierend aus den Perspektiven der jeweiligen Protagonisten und so mancher "Nebendarsteller", die dem Ganzen etwas Objektivität hinzufügen.
Ich kann euch die Geschichte hier nicht "vorerzählen", aber gegen Ende wird es nochmal extrem spannend: Die sogenannte "Katharsis" ist eine andere als man sich vorstellen mag.
Barnes ist auch in diesem Buch wieder ein interessanter, überraschender, ungemein feinfühliger Erzähler, dem allzu Menschliches nie fremd ist. Zudem ist er ein gebildeter Autor, der seinem Leser auch in dieser Beziehung absolut nichts schenkt. Ich gebe zu, daß ich ein paar Mal das Lexikon "zücken" mußte, um einen fremdsprachlichen (oft auch altgriechischen) Ausdruck nachzulesen, um dem Ganzen folgen zu können - wobei es Barnes nicht darum geht, mit seinem Wissen zu kokettieren. Vielmehr geht es gerade um die ironische Aufbrechung dieser "abgehobenen" Sprache...ganz toll und witzig gemacht!
Am Ende bleibt eine absolute Bereicherung, in jeder Hinsicht.