Mittwoch, 27. August 2014

Der Fänger im Roggen

Eigentlich hatte ich vor zwei Wochen ja Rafik Schami zu meiner Urlaubslektüre erkoren. Ich war auch schon fast bei der Hälfte der beinahe 1000 Seiten gewesen, da kam mir - auf die Bitte einer anderen Leserin hin - ein weitaus kürzeres Buch vorübergehend nach vielen Jahren wieder "in die Quere":

Erschienen ist das Buch 1951. Salinger errang damit Weltruhm und hat danach bis zu seinem Tode 2010 eigentlich nicht mehr viel veröffentlicht. Auf deutsch erschien 1962 eine von Heinrich Böll durchgesehene Übersetzung (die ich wieder gelesen habe), inzwischen soll es aber eine Neuübersetzung geben, die angeblich der jugendlichen Sprache des Originals näher kommen soll.
Viele meiner Generation haben es natürlich schon längst gelesen, aber vielleicht kann ich die eine oder andere jüngere Literaturfreundin doch noch darauf aufmerksam machen. Der Inhalt ist schnell umrissen: Der 17-jährige Holden Caulfield wird wegen schlechter Noten vorzeitig von seiner Schule verwiesen und vertreibt sich 3 Tage in New York aus Angst vor der Reaktion seiner Eltern. Die Geschichte ist aus der Sicht Holdens erzählt, und so begleiten wir ihn durch den Großstadtdschungel von New York im Amerika der 50er Jahre.
Holden ist ein Anti-Held, der einen Weg sucht, der Verlogenheit, den Konventionen und der Heuchelei um ihn herum zu entgehen. Während dieser 3 Tage kommt es zu zahlreichen Begegnungen mit Mitmenschen, die alle auf ihre Art Prototypen der damaligen Gesellschaft verkörpern und all das repräsentieren, was Holden nicht ertragen kann. Wir begleiten den Ich-Erzähler und werden gewahr, wie der Junge trotz seines großen Abscheus vor seinen erwachsenen Mitmenschen am Ende doch ein ganzes Stück erwachsen wird: weg von seinen kindlichen Vorstellungen über das Leben beschließt er, Verantwortung zu übernehmen, für den Menschen, der ihm am meisten am Herzen liegt, seine kleine Schwester Phoebe....
Der Roman ist schon ziemlich beeindruckend, nach wie vor gültig, denn die grundlegenden Probleme des Erwachsenwerdens haben sich ja nicht geändert: "Obwohl das Buch vor mehr als einem halben Jahrhundert erschien, haben dessen Grundthemen nie Patina angesetzt: Das mit der Liebe ist nicht leichter geworden, das mit der Schule nicht, und das mit der Scheinheiligkeit der Welt erst recht nicht." So schrieb Der Spiegel vor 4 Jahren anläßlich des Todes von Salinger.
Also, für uns, die tatsächlich schon "Patina" angesetzt haben, ist das Buch eine Rückschau auf unsere Gefühle als Jugendliche, für die jungen Leser ist es eine bestechende Lektüre, die Vieles von dem thematisiert, was sie aktuell "umtreibt". Vielleicht ist das Buch gerade deshalb immer noch lesenswert. Und auch Holden im Buch hat eine Meinung über gute und schlechte Bücher:

Was mich richtig umhaut, sind Bücher, bei denen man sich wünscht, 
wenn man es ganz ausgelesen hat, der  Autor, der es geschrieben hat, 
wäre irrsinnig mit einem befreundet und man könnte ihn jederzeit, 
wenn man Lust hat, anrufen. Das kommt aber nicht oft vor.