Freitag, 5. September 2014

Einfach zuviel des Guten...

Halleluja, es ist endlich "vollbracht": Hier also mein schon von einer Leserin "angemahnter" "Lektürebericht:

»Ein Meisterwerk. Ein Wunderding der Prosa, dessen Elemente gemischt sind aus Mythen und Mären, Fabeln, Legenden und einer wunderschönen Liebesromanze.« schrieb Fritz J. Raddatz.

Rafik Schamis Buch ist tatsächlich all dies. Man taucht ein in ein halbes Jahrhundert syrischer Geschichte; in eine nach bester Scheherazade-Tradition alles zusammenhaltende Liebesgeschichte mit starken Reminiszenzen an Romeo und Julia; in die facettenreiche und bunte Geschichtenwelt der Menschen um die beiden Liebenden herum.  Ich bin leider nicht in der Lage, 1000 Seiten hier aussagekräftig zusammenzufassen....also laß ich es in diesem Falle lieber!
Schami versteht es, in diesem Gewebe von kleinen, oft anekdotischen, in sich abgeschlossenen Geschichten ein wunderschönes, aber auch politisch-historisch-religiös koloriertes Gemälde Syriens des 20.Jahrhunderts zu erschaffen. Und so begleiten wir die Geschicke der beiden Liebenden Rana und Farid und ihrer Familien durch drei Generationen hindurch bis ins Jahr 1970. Dies ist gerade jetzt angesichts der aktuellen Ereignisse in Syrien doch eine passende Lektüre, weil man einen Einblick in die Lebenshintergründe dieses Landes bekommt und so Manches, was heute dort passiert, vor dem geschichtlichen Hintergrund verständlicher wird. Ob man will oder nicht, man wird mit Schami in diese, uns so fremde Welt geradezu hineinkatapultiert...

Und so bleibt nach 1040 Seiten volle Begeisterung, aber auch ein Gefühl der Überforderung - "zuviel des Guten", möchte ich fast sagen - im positiven Sinne:
Da schreibt einer, der so unendlich viele Geschichten in sich trägt, daß er aus diesem einen Buch leicht mehrere hätte machen können. Und nicht nur das, man hat das Gefühl, da war noch viel mehr an Geschichten im Hinterstübchen, aber vielleicht "erbarmte" sich Schami angesichts der anwachsenden Seitenzahl dann doch irgendwann seines Lesers...
Also, liebe Literaturfreunde, lest dieses "Wunderding"! Wenn ich auf Amazon rezensieren würde und wenn ich Zehntelpunkte vergeben könnte, bekäme das Buch 4.9 von 5 Sternen.
Das fehlende Zehntel??? Das ist tatsächlich nur für meine zeitweilige "Geschichten-Überforderung" und den Gedanken, es hätten ruhig ein paar kleine "Abschweifer" weniger sein dürfen, es hätte der Eindringlichkeit des Romans keinen Abbruch getan. Zwischendurch, beim Lesen, wünschte ich mir einfach, es gehe mit der eigentlichen Geschichte um Farid und Rana etwas schneller voran...Aber das ist wirklich ein sehr subjektiver Gedanke, der natürlich nicht für jeden Leser zutreffen mag.
Insgesamt ein empfehlenswertes Lesevergnügen der besonderen Art!

P.S. Ich muß noch hinzufügen, daß mir die gebundene Ausgabe als "Bettbuch" zeitweise zu schwer war, meine Handgelenke zeugen davon! Wenn möglich, besorgt euch am besten eine Dünndrucktaschenbuchausgabe....ha....was für ein Wort wieder! Das bringt nur die deutsche Sprache hervor!