Sonntag, 12. Oktober 2014

Gemüse, Umkehrbilder und andere Geschichten...

Ein herbstliche Sonntagsgruß wird es diesmal, denn der Herbst ist nun auch in Griechenland angekommen, und ich liebe diese Jahreszeit ähnlich wie den Frühling...
Als ich mir überlegte, welches Bild ich der Initiatorin des Sonntagsgrußes bei  alles-nicht-so-wichtig  widmen könnte, kamen mir die so seltsamen Jahreszeitenbilder des Giuseppe Arcimboldo in den Sinn, die ihr natürlich alle kennt....

G. Arcimboldo, Der Herbst (1572), 90x70 cm

Arcimboldo war ein Maler der italienischen Spätrenaissance im Übergang zum Manierismus. Das obige Bild gehört zu seiner berühmten Serie der Vier Jahreszeiten. Arcimboldo stellt sie als Porträts dar, durchaus noch in der für die Renaissance üblichen Profilansicht. Aber er setzt die Gesichter zusammen aus für die jeweiligen Jahreszeiten typischen Pflanzen, Früchten und Gemüse. Ganz herrlich finde ich, wie der Kopf hier aus einem zerborstenen Weinfaß ragt und mit seiner Traubenhaarpracht an die Weinlese erinnert; das Apfel-und Birnengesicht, der Kastanienmund, das Kürbishütlein und das Fliegenpilzohr - all das läßt den Betrachter sofort an den Herbst denken. Und wie immer beachte man die Größe des Bildes, denn mit ungefähr 90x70 cm muß das Bild in natura noch um Einiges skurriler wirken...

Einige Jahre später geht Arcimboldo sogar noch einen Schritt weiter und schafft seine witzigen Umkehrbilder, bei denen ein Stillleben, wenn man es auf den Kopf stellt, ein menschliches Porträt ergibt, wie z.B. hier beim "Gemüsegärtner".
Tja, da muß man erstmal darauf kommen!


Und weil wir uns hier ja auch so oft über Bücher austauschen, darf ich euch natürlich nicht seinen berühmten "Bibliothekar" vorenthalten, bei dem er ein menschliches Porträt aus Büchern geschaffen hat:

Ist das nicht wunderbar!?  Dieses Bild ist mir schon öfter begegnet, sogar mal als Buchstütze und auf einem Kaffeebecher in einer Frankfurter Buchhandlung. Angesichts seiner Originalität mag es nicht verwundern, daß Arcimboldo im 20. Jahrhundert natürlich von den Surrealisten und Dadaisten wiederentdeckt und viele Jahre später dann auch in der Werbung reichlich "ausgeschlachtet" wurde...
So, das war mal wieder mein kleiner Sonntagsausflug in die Kunst. Genießt diesen schönen Oktobertag!