Donnerstag, 13. November 2014

Als ich dir zeigte, wie die Welt klingt

Gestern Abend habe ich mir nach längerer Zeit mal wieder einen kleinen Kulturgenuß "außer Haus" gegönnt. Und da ich momentan meinem "Biographie-Tick" fröne, wie meine letzten Lektüren belegen, interessierte mich der gestrige Abend besonders.
Eine griechische Autorin, seit vielen Jahren beim Münchner Bayerischen Rundfunk tätig, hielt eine Lesung hier in Athen:
Eleni Torossi sollte mir zwar bekannt sein, sprach sie doch viele Jahre lang die vorabendliche Sendung "Betthupferl" im Hörfunk. An die Sendung kann ich mich durchaus erinnern, aber natürlich nicht mehr an die Sprecher. Genausowenig kannte ich ihre bisher erschienenen Bücher, meist Kinderliteratur. Jedenfalls stellte Frau Torossi gestern ein Buch vor, das, inspiriert von ihrer eigenen Lebensgeschichte, das Leben als Tochter einer tauben, alleinerziehenden Mutter in Athen beschreibt. Kaum vorstellbar, wie ein Kind seinen Lebensweg finden konnte unter diesen Umständen, aber umso mehr beeindruckend. Stellenweise berührte mich dieses Geschichte ähnlich wie die Kindheitserinnerungen von Hanns-Josef Ortheil, auch wenn es da um eine nicht-sprechende (keine stumme) Mutter und ihr nicht-sprechendes Kind geht (Die Erfindung des Lebens). Beiden Geschichten gemein ist das Eintauchen des Kindes in die Welt der Mutter, das Verstehenwollen, das Begreifenwollen.
Eleni Torossi hat mich vor allem in den Momenten angerührt, als sie frei von ihrem Leben und ihrer Motivation, dieses Buch zu schreiben, erzählte.
Im BR lief im Frühjahr in der Reihe "Lebenslinien" ein wunderschönes Porträt der Autorin, das ich mir gestern Abend gleich noch ansehen mußte...sehenwert! Der kleine Film ist zur Zeit noch abrufbar in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks  http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/lebenslinien/lebenslinien-der-lange-schatten-meiner-mutter-102.html .

Es war ein schöner, anregender Abend, leider mit viel zu wenigen Besuchern, was aber wohl der verhaltenen Ankündigung des Veranstalters anzulasten ist. Ich bin sicher, daß sich viel mehr Deutsche hier in Athen für die Autorin interessiert hätten, wenn sie es denn gewußt hätten!
Eine beeindruckende, warmherzige Autorin, eine interessante Geschichte dahinter (in diesem Fall kam natürlich auch ein wenig Melancholie bei mir hoch ob der besonderen Konstellation München-Athen)!!!