Dienstag, 11. November 2014

Leben, um davon zu erzählen

Es gibt wohl kaum einen passenderen Titel für diese ganz besondere Autobiographie: Leben, um davon zu erzählen. Damit ist im Grunde schon alles gesagt über dieses wundervolle Buch von Marquez, erschienen im Jahre 2002.
Das Buch beginnt mit der Bitte der Mutter des jungen, noch sich selbst suchenden Schriftstellers, sie auf ihrer Reise in das Dorf seiner Kindheit zu begleiten, um das familieneigene Haus dort zu verkaufen...
So begibt sich der nun gealterte Schriftsteller auf seine Erinnerungsreise in die eigene Vergangenheit, angefüllt mit unzähligen Menschen und erlebten Geschichten, mit unzähligen Schauplätzen und Landschaften - so Vieles davon findet man in seinen Romanen wieder.
Bei der kurzweiligen Lektüre hat der Leser das Gefühl, eigentlich wieder einen Roman und keine Autobiographie von Marquez zu lesen. Was das Lesen dieses Buches auch so besonders macht, ist der ständige Wiedererkennungseffekt: Da schreibt er z.B. über die Liebesgeschichte seiner Eltern, und noch bevor er es selbst sagt, weiß man schon, ach ja, das ist doch genau so in "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" beschrieben...
Da fährt er als junger Schriftsteller und Journalist an einer kleinen Bahnstation namens Macondo vorbei, die dann zum imaginären Topos der Weltliteratur in "Hundert Jahre Einsamkeit" wird. Da beschreibt er so viele Personen aus seiner weitverzweigten Familie, die irgendwo und irgendwie in seinen Schriften dann weiterlebten...
So hat man denn auch immer wieder das Gefühl, den alten "Freunden" seiner Romanwelt zu begegnen. Man spürt, daß nicht nur die Phantasie des Schriftstellers, sondern vor allem die Wirklichkeit dieses reiche schriftstellerische Werk erst ermöglicht hatten - genau so, wie es der programmatische Titel auch schon verheißt.
Gut, es mag sein, daß dieses Buch vor allem für Marquez-Liebhaber von Interesse ist, aber die sollten es dann auch auf jeden Fall lesen ! Und wer sich bisher noch nicht auf diesen Schriftsteller eingelassen hat, bekommt nach diesem Buch sicher Lust darauf...
Marquez ist dieses Jahr ja verstorben, und zuallererst nahm ich daraufhin wieder "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" in die Hand, ich habe darüber berichtet. Nun habe ich seine Autobiographie gelesen, unweigerlich folgen werden  "Hundert Jahre Einsamkeit" und "Chronik eines angekündigten Todes". All diese Bücher haben mich schon als junge Studentin begeistert und ich weiß, sie werden es auch heute wieder...