Freitag, 12. Dezember 2014

Der numerisch gestresste Leser....

Wieder mal mit einigen Tagen Verspätung reagiere ich hier auf Ninas letzte Montagsfrage, die da lautete:
Habt Ihr Eure Leseziele für 2014 erreicht?

Darauf möchte ich antworten, da ich mich schon länger frage, wenn ich mich so durch verschiedene Bücherblogs lese, warum Viele glauben, man müßte oder könnte sich beim Lesen Ziele setzen.
Da zählt tatsächlich so mancher Blogger die Bücher, die er pro Monat oder Jahr gelesen hat - und dann kann ich das nicht nachvollziehen. Darum kann es nicht gehen, denn Lesen ist wie Leben: man kann nie wissen, was so um die nächste Ecke kommen wird!
Ich kann im Geiste keinen Leser begleiten, der sich durch die Bücher "ackert", nur, um dann darüber bloggen zu können und ein weiteres Buch auf seiner Strichliste eintragen zu können. Unsere Bücherregale sind kein Buffet mit der Aufschrift "All you can read"! Darum geht es beim Lesen und bei der Literatur nicht. Wir sind - wie ich schon einmal in einem anderen Zusammenhang geschrieben habe - leider keine von der Welt abgeschiedenen Mönche in einer Klosterbibliothek, die nichts anderes zu tun haben als zu lesen. Nein, wir alle stehen irgendwo im Leben, haben unsere Arbeit, unsere Familien und weitere Verpflichtungen. Lesen ist für die meisten von uns ein Hobby, für den Einen mehr, für den Anderen weniger wichtig. Ich gehöre sicher zu den Ersteren, aber dennoch bin ich bis heute noch nie auf die Idee gekommen, mir zu notieren, welche und wieviele Bücher ich in einem Jahr gelesen habe! Was hätte ich denn auch davon?
Deshalb habe ich mich schon aus vielen Buchblogs wieder "ausgeklinkt", weil die schiere Durchnummerierung und Rezension von hastig rezipierten Büchern mir kein Anreiz sein kann. Als Buchblogger muß ich auch nicht jedes gelesene Buch erwähnen, geschweige denn mitzählen und der Welt mitteilen, wieviele Bücher ich dieses Jahr wieder "geschafft" habe...welch Horrorvorstellung:  
der numerisch gestresste Leser!
"Leseziele" kann ich nur in einem Sinne akzeptieren, wenn es sich darum handelt, ein bestimmtes Buch endlich lesen zu wollen. Nur in diesem konkreten Sinne habe ich mir schon mal ein Ziel gesetzt, wie z.B. bei meiner Ulysses-Lektüre im vorletzten Sommer. Aber dies sind zeitindifferente Ziele, die sich aus der Lebenssituation heraus ergeben....
Deshalb: ich werde mich hüten, mir für das kommende Jahr irgendwelche "Leseziele" zu setzen oder darüber zu sinnieren, ob ich mein "Leseziel 2014" erreicht habe!

Igitt.....