Sonntag, 25. Januar 2015

Solange man lebt, hofft man doch - Anita Lasker-Wallfisch

Politisches und Historisches beherrscht in diesen Tagen seit meinem letzten Beitrag meine Gedanken.
Heute finden in Griechenland - mal wieder - Parlamentswahlen statt. Die letzten Jahre haben das Land ohne Frage an den Abgrund und Unzählige seiner Bewohner (wohlgemerkt: nicht alle!) an den Rand der Verzweiflung gebracht....
Regierungswechsel ist gefordert. Ob es danach merklich besser wird, sei dahingestellt. Zu tief mißtraue ich all diesen politischen Systemen, die sich im Lobbyismus und egoistischem Kalkül verlieren und dabei die Menschen, denen sie eigentlich "dienen" sollten, vergessen. Dazu paßt, daß im Gegensatz zu früheren Wahlen in Griechenland eine gespenstische Ruhe herrscht: Keine Massenkundgebungen, keine Plakatflut. Fast möchte man meinen, der Bürger habe endlich verstanden, daß man im Grunde keinem Politiker wirklich trauen kann...
Trotzdem erlaube ich mir noch einen klitzekleinen Rest Naivität und hege ein Fünkchen Hoffnung, daß sich hier doch noch etwas zum Besseren wendet, einfach dadurch, daß diese so tief korrupte Riege der "verbrauchten" Politiker endlich abgewählt wird...und wenn schon nicht mehr für meine Generation, dann doch zumindest für all die Jugendlichen, die in Griechenland keine Zukunftschancen mehr haben.
Gestern erinnerte ich mich an ein Zitat von Niccolo Machiavelli, der es in aller Abgeklärtheit im 16. Jh. auf den Punkt brachte: Die Trennung von Politik und Moral. Moralische Grundsätze können für einen erfolgreichen Herrscher nicht federführend sein. Allein der Zweck heiligt die Mittel. Auch wenn heute kein Politiker sich als "Machiavellist" gerne tituliert sieht, so sind Machiavellis Gedanken nach wie vor aktuell....

Und ein anderes Thema beherrscht diese Tage noch die Medien: Am 27. Januar jährt sich zum 70. Mal der Tag der Befreiung von Auschwitz.
Auch dies ein Thema, das für mich nach wie vor relevant ist. Die kommende Woche werden viele Dokumentationen im Fernsehen gezeigt werden, viele Zeitzeugen werden zu Wort kommen. Auch Der Spiegel widmet seine aktuelle Ausgabe den Überlebenden von Ausschwitz. Anita Lasker-Wallfisch, eine der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, gab neulich im Fernsehen ein beeindruckendes Interview. So stieß ich auf ihr Buch, das im Jahr 2000 erschienen ist: Ihr sollt die Wahrheit erben.  Als Jugendliche wurde sie nach Bergen-Belsen und Auschwitz deportiert und überlebte nur, weil sie Cello spielen konnte und so in das Lagerorchester aufgenommen wurde. Ihr Buch steht ganz weit oben auf meiner Wunschliste!