Dienstag, 17. Februar 2015

Das gute Leben?

Ein mir gänzlich unbekannter Autor ist mir da (sozusagen) in die Hände gefallen:
Jay McInernay, ein Amerikaner, der in den 80ern sehr bekannt wurde durch seinen Roman Bright Lights, Big City (kenne ich nicht!). Seit damals hat er 7 Romane und einige Kurzgeschichten veröffentlicht und schreibt regelmäßig auch für Zeitungen. Im Jahre 2006 erschien sein Roman Das gute Leben.
Kurz gesagt geht es um die Geschichte zweier Ehepaare in New York (oh nein, nicht schon wieder New York, werdet Ihr jetzt sagen! Na ja, jeder von uns hat so seine Marotten, und diese Stadt wird mich wohl nie loslassen...).
Also noch mal: Sasha & Luke, Corinne & Russell, zwei Ehepaare in New York; erfolgreich, wohlhabend, vom Schicksal verwöhnt. Sie stehen stellvertretend für die "angekommenen" Menschen in dieser nach Erfolg und Geld gierenden "Boomtown". Aber, wie sollte es auch anders sein, die hohle Fassade bröckelt; was nach Außen hin so ideal erscheint, gärt unter der Oberfläche und ist mitnichten das, was sich vor allem Corinne und Luke einstmals vom Leben erwartet hatten. Das dem Buch vorangestellte Zitat von John Cheever ist programmatisch:
"In der Lebensmitte kommen die Rätsel, kommt die Verwirrung. Wenn ich in
 dieser Stunde überhaupt etwas erkennen kann, dann eine Art Einsamkeit. 
Sogar die Schönheit der sichtbaren Welt scheint zu zerbröckeln, ja selbst die Liebe."
Und so wählt der Autor das wohl einschneidenste Ereignis für das Amerika der letzten Jahre als Ausgangspunkt für Lukes und Corinnes Hinterfragen ihres Daseins: 9/11. 
Dieses Ereignis entpuppt sich denn auch für die Protagonisten als kathartische Metapher ihres eigenen Lebens. Corinne und Luke lernen sich kennen als freiwillige Helfer am Ground Zero, eine behutsame Liebesgeschichte entspinnt sich...     
Ich gebe zu, daß ich mich durch die ersten Kapitel etwas zäh gelesen habe. Erst mit den Terroranschlägen auf das WTC entwickelt der Roman sein Tempo. Man ist berührt von der Beschreibung des Lebens der New Yorker in den ersten Tagen nach dem Anschlag, ihrer Ängste, ihrer Albträume und ihrer alltäglichen Probleme in dieser Stadt im Ausnahmezustand. Der Autor verwebt diese extremen Erfahrungen mit dem Innenleben der Protagonisten, mit ihrer Verlorenheit und plötzlichen Sinnsuche. Und so wie die Anschläge auf das World Trade Center ihnen "wie ein Deus ex machina" erscheinen, ereignen sich auf ihrer persönlichen Ebene Vorfälle, die als Auflösung ihrer schon so lang schwärenden Konflikte fungieren könnten....
Insgesamt hatte ich beim Lesen jedoch das Gefühl, daß der Autor diese Parallele zu offensichtlich zelebriert. Die Darstellung der einzelnen Charaktere ist nicht schlecht geraten, aber Vieles, wie dann auch noch die Gegenüberstellung des Lebens in der Metropole mit der amerikanischen Provinz, aus der die Protagonisten stammen, war mir dann im Ganzen doch etwas zu einfach gestrickt.
Sollte ich das Buch bewerten, bekäme es 3 von 5 Punkten. Eine recht gute Lektüre, aber auch kein Buch, das nun seinen festen Platz in meinen Regalen finden wird...