Freitag, 13. Februar 2015

Lily Brett und die richtigen Worte

Um meine Lesereise in die Welt der Autorin Lily Brett abzuschließen, will ich Euch noch kurz den 2. Roman des Buches vorstellen.
Um es gleich vorwegzunehmen: Nur 2 Jahre nach dem letztens beschriebenen Einfach so erschienen, scheint Brett in Zu sehen wieder zurückgefunden zu haben zu der Schreibweise, die mir in ihren Kolumnen New York begegnet war. Sie teilt das Buch in Themenbereiche ein und entwickelt dazu ihre Gedanken, die wieder absolut autobiographisch sind, aber im Gegensatz zum vorherigen Roman den Leser nicht nur mit Vermutungen zurücklassen, sondern Vieles, was im vorherigen Roman etwas fahrig und willkürlich wirkt, tiefergehend erklären. Insofern war dies für mich ein befriedigenderes Leseerlebnis. Man könnte auch sagen, daß Brett im ersten Roman ihr Leben nur symptomhaft beschreibt, während im zweiten Roman den Ursachen überlegter auf den Grund gegangen wird.
Als Leser hatte ich von Anfang an das Gefühl, daß Brett beim Schreiben beider Bücher auch eine Art Selbstanalyse betreibt, so als würde es ihr helfen, sich selbst und ihr Leben durch den Schreibprozess besser zu verstehen. Und diesen meinen ersten Eindruck bestätigte mir dann auch am Ende des Romans die Autorin selbst:

"Wenn ich schreibe, kann ich lose Enden, ausgefranste Kanten und Fäden verknüpfen. 
Ich kann den Dingen eine Ordnung geben. Ich kann Erklärungen liefern, 
Ängste mildern. Ich kann die Dinge sinnvoll erscheinen lassen. Das ist es, 
was für mich bedeutet, die richtigen Worte zusammenzufügen. 
Das gibt einer Welt Sinn, die oft sinnlos erschien."

Gerade Bretts Insistenz, das richtige Wort zu finden, entspricht auch mir selbst und macht solche Texte wie in diesem Buch sehr wertvoll für mich. Ich kann ihre Gedanken nachvollziehen, da es auch für mich immer wichtig war und ist, meine Gefühle und Gedanken sprachlich so präzise wie möglich zu erfassen. Auch mir gab das schon immer eine Art von Sicherheit, eine Möglichkeit, mich selbst und die Welt um mich herum besser zu verstehen. Ähnlich wie Lily Brett kann ich lange über einem Satz brüten oder mich durch Lexika blättern, um einen präzisen Begriff zu finden. (Ich bin nach wie vor ein Verfechter des überlegten Sprachgebrauchs - etwas, was mir hier im täglichen Leben so sehr fehlt, weil ich unwillkürlich jeden Tag in der fremden Sprache an meine Grenzen stoße. Und das ist mehr als frustrierend....).
Und so schließe ich meinen kleinen Lesereigen um die Autorin Lily Brett nur allzugern mit ihren Worten:

"Ich habe einen fast kindlichen Glauben an die Macht des Wortes. 
Die richtigen Worte könnten die Welt verändern. 
Die richtigen Worte könnten die Menschen bewegen."

P.S. Ich würde dem potientiellen Leser unbedingt empfehlen, den Roman Zu sehen dem Vorgänger Einfach so vorzuziehen. In gewissem Sinne ist das zweite Buch eine - weitaus besser ausformulierte - Quintessenz seines Vorgängers....