Samstag, 28. Februar 2015

Wer für sich selbst schreibt, schreibt für ein ewiges Publikum. - Ralph Waldo Emerson

Dies heute ist mein 300. Beitrag in meinem kleinen, unbedeutenden Blog. Eine Gelegenheit, wieder mal darüber nachzudenken, ob mein Geschreibsel hier eigentlich sinnvoll ist. Die Leserzahlen steigen zwar ständig - auch dank Facebook -, aber die festen "Blogfreunde" sind noch immer sehr überschaubar. Ich bewundere insgeheim Blogs, die Hunderte von "Followers" haben. Davon kann ich nur träumen... Aber darum geht es mir im Grunde auch nicht.
Wie alle Blogger wohl bestätigen werden, hat diese "moderne" Mitteilungsform das gute alte Tagebuch ersetzt; und ich gebe zu, daß ich gerade dies ein wenig vermisse. Schon als Jugendliche habe ich begonnen, Tagebücher zu führen, sie existieren alle noch. Erst nach der Geburt meiner Tochter fand ich leider keine Zeit mehr dafür. Die Prioritäten verlagerten sich, zuviel Leben, zuviel Arbeit mußte bewältigt werden, zu unwichtig wurde das eigene Dasein, zu wenig Zeit zum Nachdenken blieb in jenen Jahren, selbst die Zeit zum ausgiebigen Lesen mußte dem Alltag abgetrotzt werden!
Manchmal denke ich, daß gerade die Unbedeutsamkeit meines Blogs auch ein Segen ist, gibt sie mir noch immer das Gefühl, so eine Art Tagebuch zu schreiben, ganz so als würde nur ich allein all das lesen... So ist es natürlich nicht, wenn man sich auf eine derart öffentliche Plattform begibt - und was man einst seinem Tagebuch getrost anvertrauen konnte, hat heute hier im Internet nichts zu suchen. Deshalb kann so ein Blog auch nur ein sehr begrenztes Tagebuch sein und, laßt uns ehrlich sein, Tastatur und Bildschirm können letztendlich das Erlebnis des handschriftlichen Tagebucheintrags nicht wirklich ersetzen...
Dennoch gefällt mir der obige Ausspruch von Emerson über das Schreiben. Wenn ich z.B. über ein Buch schreibe, dann will ich nicht nur meinen Lesern meine Eindrücke weitergeben, sondern auch für mich selbst ein Fazit ziehen. Oft wird die Leseerfahrung erst beim Schreiben darüber auch für mich selbst greifbar. Wenn ich über Geschehnisse schreibe, die mich gerade bewegen, so finde ich auch da im Schreiben eine erste Möglichkeit, meine Gedanken zu ordnen und meine Empfindungen quasi "von außen" auch kritisch zu bewerten.
Insofern ist also immer auch ein klitzekleines egoistisches Ansinnen beim Bloggen dahinter und genau dann bin ich in Emersons weitesten Sinne zuallerst mein eigenes, ewiges Publikum... 
In diesem Sinne: auf die nächsten 300? Mal sehen, vielleicht kommt irgendwann auch wieder die Zeit für das gute alte Tagebuch!

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