Dienstag, 10. März 2015

Gedenke, daß mein Leben ein Wind ist.... - Hiob

Eine uneingeschränkte Leseempfehlung...
Siri Hustvedt legt hier eine Geschichte vor, die nicht neu ist, aber durch die so klugen Ausführungen der Autorin sich dann doch empfindlich unterscheidet von der meisten Literatur zum Klassiker "Frau Mitte 50 wird vom Ehemann wegen einer Jüngeren verlassen und geht auf die Suche nach sich selbst und nach ihren Optionen".
Damit ist der Inhalt auch schon umrissen. Wie man von dieser Autorin erwarten kann, nähert sie sich dem Ganzen jedoch auf äußerst behutsame Weise, und gerade dadurch hat diese Geschichte dann doch so gar nichts gemeinsam mit dem "Friede, Freude, Eierkuchen"-Geschreibsel, in das sich unzählige Autoren leichtfüßig zu diesem Thema flüchten und dabei nie aus der seichten Tümpelei hinauskommen. Diese Bücher sind austauschbar, auf Dauer enervierend simpel, "Literatur" vom Fließband eben...
So einfach macht dann eine Autorin wie Hustvedt es sich selbst und ihren Lesern nicht, das würde ihrem ausgeprägten Intellekt und ihrer immensen empathischen Fähigkeit zuwiderlaufen. Mia, die verlassene Ehefrau im Buch, eine leider nur wenig erfolgreiche Lyrikerin, beklagt denn auch an einer Stelle "unsere seichte, minderwertige, erbittert antiintellektuelle Kultur, die Mittelmäßigkeit verehrt und ihre Dichter verachtet"... Und so ist man dann als Leser schon etwas gefordert bei all den Rückverweisen der Autorin auf Literatur und diverse Wissenschaften in dem Bemühen, die Gefühlswelt sowohl der Verlassenen und als auch des Verlassenden erklären zu können.

Ich glaube, das ist nun das vierte oder fünfte Buch von Hustvedt, das ich gelesen habe. Nicht alle Bücher sind natürlich gleich gut, nicht jedes hat mir uneingeschränkt gefallen, aber inzwischen weiß ich, daß ich mit ihren Büchern nichts falsch machen kann. Sie ist einfach eine wunderbar inspirierende Schriftstellerin...
Die Zeit schrieb 2011: "Die intellektuelle Demut und die Wißbegier sind Siri Hustvedts Schwestern".