Montag, 13. April 2015

Stellen Sie sich einen Mann auf dem Weg zu einem knapp dreißigsekündigen Ereignis vor... - John Irving

Wieder mal ein "Irving"! Nicht schon wieder, werden Viele von Euch jetzt sagen, ...
Tja, da steht so ein Buch seit Längerem im Regal, und dann denke ich, ach nein, du kannst doch nicht schon wieder einen Irving lesen, wo doch so viele andere, mir noch unbekannte Autoren auf ihre "Entdeckung" warten....Aber so geht es mir dann halt mit meinen Lieblingsautoren.Und deshalb hat mich die letzten Abende mal wieder John Irving in den Schlaf "gelesen"....
Die vierte Hand, erschienen im Jahre 2001, ist der zehnte Roman von Irving. Es ist für mich fast eines der kuriosesten Bücher von Irving. Die Geschichte. wie immer bei Irving, höchst skurill: ein Fernsehreporter verliert auf einem seiner Einsätze seine linke Hand - sie wird ihm vor laufender Kamera von einem Zirkuslöwen abgebissen! Ein ambitionierter Chirurg in Cambridge bietet sich daraufhin an, ihm eine neue Hand zu transplantieren. Eine Spenderhand ist bald gefunden, und damit nimmt das Leben des Fernsehreporters (und nicht nur seines) eine ungeahnte, äußerst seltsame Wendung....
Soviel zum groben inhaltlichen Gerüst des Romans. Wie Ihr schon seht, Irving bleibt sich treu. Er begreift die Natur des Menschen auch in den abstrusesten Situationen immer als zutiefst menschlich. Kein noch so vordergründig absurdes Verhalten wird von ihm in irgendeiner Weise moralisch "verurteilt", in den seltsamsten Lebenssituationen bleiben seine Protagonisten dennoch einfach Menschen. Heftigst verurteilt er in diesem Buch nur das Gebaren des sogenannten Katastrophen-Journalismus - was dem Leser dann auf diesen Seiten doch etwas Gänsehaut beschert, gerade jetzt nach dem Absturz der German Wings-Maschine vor einigen Tagen und dem Umgang damit in den Medien....
Irving gehört für mich zu den "menschlichsten" Autoren der Gegenwart. Der Leser begegnet in seinen Romanen einem Panoptikum menschlichen Daseins, und keines dieser Leben bleibt uns am Ende doch fremd. Das gibt jedem Leser das beruhigende Gefühl, daß jeder von uns so seine Macken und Verrücktheiten hat.
Sicherlich ist dies nicht gerade das beste Buch von Irving, aber eine allemal wundersame Lektüre!