Sonntag, 3. Mai 2015

Intelligenter Humor....

Noch ein Nachtrag an diesem langen Wochenende, das mir schöne Zeit zum Lesen bescherte:
Mit mal wieder einigen Jahren "griechischer" Verspätung habe ich nun endlich Daniel Kehlmanns bekannten Roman gelesen, der 2005 die Bestsellerlisten stürmte - ausnahmsweise mal zu Recht!
Schon länger habe ich mich bei einer Lektüre nicht mehr so intelligent unterhalten gefühlt. Beim Lesen mußte ich tatsächlich des Öfteren laut auflachen, und aus dem Grinsen kam ich eh nicht mehr raus...
Kehlmann erzählt die fiktiven Biographien des Mathematikers und Geodäten Karl Friedrich Gauß und des Naturforschers Alexander von Humboldt, beide Zeitgenossen Goethes. Man folgt dem Leben dieser beiden äußerst skurrilen Forscher, dem einen in Deutschland, dem anderen zumeist in Südamerika, und wundert sich über ihre Sturheit, Weltfremdheit und auch ihre kindliche Neugier, die ihre weltweit einflußreichen Erkenntnisse eigentlich erst möglich machten. Kehlmann gelingt es dabei, die beiden Forscher zuallererst als Menschen darzustellen, mit all ihren Marotten und alltäglichen Problemen: Da hüpft Gauß in seiner Hochzeitsnacht kurz vor der "Vollendung" gleich nochmal aus dem Bett, um eine Formel aufzuschreiben, die ihm gerade eingefallen ist, da wird Humboldt am Orinoco von Läusen unter seinen Zehennägeln befallen und will unbedingt verhindern, daß dies der Nachwelt mitgeteilt wird, weil dies seinem Ruf als ehrenwertem Wissenschaftler Abbruch tun könnte und so Vieles mehr... All diese Kuriositäten kontrastieren mit dem zutiefst wissenschaftlichen Anspruch, aber auch der Vermessenheit (wie der Titel dann auch im Nachhinein suggeriert) der beiden Männer - und genau hier liegt auch der Humor, der dem Buch durchgängig ist. Also, man lernt viel bei dieser Lektüre und ist gleichzeitig rundum gut unterhalten. Die Querverweise auf Deutschland und die Welt jener Zeit sind zahlreich, wenn man wollte, könnte man sich auch ein Lexikon daneben legen und nachlesen....Wissenschafts- und Weltgeschichte in einem grandiosem "Outfit" - eine wunderbare Lektüre, die ich nur Jedem empfehlen kann!

DIE ZEIT schrieb erst 2012 nochmals zu diesem Roman: "Die Verweise in diesem Buch sind zahlreich, die Interpretationsansätze, wie bei allen großen Werken der Weltliteratur, reichhaltig: Die Vermessung ist ein Roman über deutsche Manie und vermessene Unbedingtheit (die folgenreich sein sollte), über den aufkeimenden Nationalismus in der Romantik, über das amerikanische Zeitalter, das schließlich anbricht, über Zufall und Notwendigkeit – aber auch und vielleicht vor allem: über die Möglichkeit, auf die Unfertigkeit der Kreatur namens Mensch mit heiterer Menschenfreundlichkeit zu blicken." (http://www.zeit.de/2012/35/Daniel-Kehlmann-Vermessung-der-Welt).