Samstag, 30. Mai 2015

Packeis....

Nun habe ich es endlich geschafft und ein Buch des aktuellen Nobelpreisträgers Modiano gelesen.

"Ein Mann erinnert sich. In der Pariser Metro sieht er eine Frau, die vor dreißig Jahren seine Jugendliebe war. Damals lebte Jacqueline mit einem anderen Mann in einem Pariser Hotel im Quartier Latin, schnüffelte Äther und träumte von Mallorca..." (aus dem Klappentext).

Ich sitze nun hier und würde dieses Buch am liebsten nicht besprechen, weil ich mir noch immer nicht schlüssig bin, was ich davon halten soll.... Dennoch, Modiano ist ein interessanter Autor. Die Geschichte ist in einer wirklich schönen, vorsichtigen Sprache geschrieben. Der Protagonist/Erzähler führt den Leser behutsam an seine Erinnerungen heran und blickt tief in die Gefühlswelt der Personen.
Warum aber läßt mich das Buch am Ende trotzdem etwas kalt? Beim Lesen mußte ich - aufgrund des Themas des Buches - manchmal an den englischen Autor Julian Barnes denken. Von Jenem bin ich noch immer begeistert, von Modiano kann ich das in dieser Gewissheit nicht sagen.
Natürlich spreche ich hier nur von diesem einen Buch, vielleicht war es eine schlechte Wahl, um Modiano näher zu kommen. Der Spiegel jubelte zu diesem Buch:
"Die Sache mit Jacqueline gehört zu der Sorte Liebesgeschichte, die man gemeinhin unvergeßlich nennt. Modianos Bücher sind feine, wunderbar hingehauchte Sprachkunstwerke."
Ich kann dem nicht widersprechen, aber auf mich selbst dann doch nicht so zweifelsfrei anwenden.
Und in diesem Moment, in dem ich dies hier schreibe, habe ich das Buch eigentlich schon fast wieder vergessen...
An einer Stelle im Buch sagt der Erzähler über die einst geliebte Frau: "Es hatte nichts genutzt. Die Oberfläche war glatt geblieben. Stille Wasser. Oder vielmehr eine dicke Schicht Packeis, die nach fünfzehn Jahren nicht zu durchbrechen war."
So ähnlich könnte ich mein Gefühl für dieses Buch beschreiben....ich konnte das Packeis leider nicht durchbrechen.