Samstag, 30. Mai 2015

Sprachverirrungen...

Ich bin ja gern lesend und schreibend auf Facebook "unterwegs". Facebook bedeutet für mich hier in Griechenland auch die Möglichkeit, kostenlosen Zugang zu Zeitungsartikeln zu haben oder mich mit anderen Menschen etwas austauschen zu können.
Nicht erst in letzter Zeit bin ich genervt von dem schludrigen Umgang mit unserer Muttersprache (ab und zu habe ich mich in meinem Blog ja schon dazu geäußert).
Ich will vorausschicken, daß ich
1. bestimmt auch nicht fehlerfrei im Deutschen bin - nobody is perfect
2. bestimmt auch oft hastig einen Satz loslasse inklusive Tippfehler

Nun erscheinen nicht selten sogenannte "Sprüchebilder", die von Irgendjemandem geschrieben und graphisch gestaltet wurden - so wie ich das auch manchmal mache.  Diese Sprüchebilder vermehren sich durch das wiederholte Teilen auf Facebook unendlich,
Erst neulich wagte ich, ein solches Spruchbild zu kritisieren, weil ich es tatsächlich wiederholt lesen mußte, um den Sinn zu verstehen, was wegen der einschneidenden Grammatikfehler nicht ganz einfach war (leider habe ich mich aus dieser Facebook-Seite rausgelöscht, ohne diesen Spruch zu kopieren und ihn an Bastian Sick zu schicken!). Nun, der darauf einsetzende "Shitstorm" war bemerkenswert: Zunächst kam das in solchen Fällen immer wieder bemühte Argument, allein der Inhalt zähle und nicht die Form. Dann kamen aber auch heftigere Kommentare, die auch mit derbsten Schimpfwörtern nicht geizten...

Gleich am nächsten Tag wurde ich schon wieder fündig:

Richtig wäre: "Ein Buch zu lesen, das.............."

Richtig wäre dieser Satzanfang: "Studien zeigen, dass Stress..."

Wenn nun solche gravierenden Fehler von Seiten im Netz geteilt werden. die sich ausschließlich mit dem Lesen und folglich unserer Sprache beschäftigen, dann muß ich doch fragen, warum dann offensichtlich das viele Lesen zu keiner Verbesserung im Sprachgebrauch führt? Oder soll ein Lesen propagiert werden, das sich dem Sinn eines Satzes - da er ja anscheinend unabhängig von seiner grammatikalischen Form sein soll -  quasi rätselratend nähert?

Und soll ich nun als aufmerksamerer Leser einfach darüber hinwegsehen und mich dem windigen Sprachniveau anpassen, nur, um nicht Opfer wüster Beschimpfungen zu werden?

Wie die beiden obigen - geradezu klassischen - Beispiele zeigen, ist es anscheinend übermenschlich schwer, die Unterscheidung zwischen dem Artikel "das" und dem Relativpronomen "dass" zu erlernen. Aber es nützt nichts, Leute: Diese zwei kurzen Wörter beeinflußen den Sinn eines Satzes nunmal maßgebend. In anderen europäischen Sprachen gibt es dieses Problem nicht, denn da gibt es einfach zwei ganz verschiedene Wörter dafür. Aber wir Deutschen haben eben diese beiden fast identischen Wörter und müßten schon in den ersten Schuljahren lernen, sie grammatikalisch klar zu unterscheiden!

Wie auch immer, dies ist nur wieder ein Beispiel dafür, wie schludrig und gedankenlos wir mittlerweile im Umgang mit unserer Sprache geworden sind.  Und so lese ich solche Sätze und sage nur:
Stellt euch vor, ihr müßtet nicht nur einen Spruch, sondern ein ganzes Buch lesen, bei dem ihr jeden dritten Satz wiederholt lesen müßtet, um ihn wirklich zu verstehen.....welch ein Horror!!!
Immerhin, eine "Leidensgenossin" auf Facebook brachte es schön auf den Punkt:
Wir schulden unserer Sprache und unseren Lesern RESPEKT!

So einfach ist das!