Dienstag, 28. Juli 2015

Awakenings...

Heute las ich in einem Artikel, Griechenland würde so langsam aus der Schockstarre erwachen....

Es stimmt, daß seit dem beschlossenen neuen "Hilfsprogramm", das - darüber stimmen nunmehr weltweit alle Ökonomen überein - dem Land nicht auf die Beine helfen wird, sich die Schockstarre der letzten Wochen etwas verflüchtigt hat. Die Banken haben zum Schein wieder geöffnet, auch wenn die Kapitalverkehrskontrollen natürlich weiter bestehen.

Sagen wir mal so: Die Illusion einer bereits vorher illusionären Normalität hat sich wieder eingestellt.

Im Gegenzug zu dieser anfänglichen Schockstarre ist man jetzt jedoch in ein nebulöses Delirium hinübergeglitten, das im Gleichklang mit der lähmenden Sommerhitze die dumpfe Erkenntnis verstärkt, etwas ausgesetzt zu werden, das außerhalb unserer Vorstellungskraft liegt.
Diese Erkenntnis würde ich eher als das eigentliche "Erwachen" bezeichnen,

Ich komme täglich mit vielen Menschen in Kontakt durch meinen Beruf, und überall höre ich genau dieses aus ihren Worten heraus. Natürlich habe ich vor allem mit meinesgleichen zu tun, kleinen und mittleren Unternehmern, die nun mit einem weiter erhöhten Steuersatz und einer 100%igen Steuervorauszahlung abgestraft wurden. Jedem von uns ist dabei klar, daß dies inmitten dieser immensen Rezession nicht zu erwirtschaften sein wird, daß der Teufelskreis der Steuerschulden nur ausgeweitet werden wird. Und trotzdem bleibt uns allen keine andere Wahl als weiterzumachen, denn am Ende des Tunnels stünde nur die Arbeitslosigkeit.

So gehe auch ich nach wie vor jeden einzelnen Tag in meine Werkstatt, freue mich über jeden noch so kleinen Auftrag, strenge mich an, versuche mit hohem Zeitaufwand alles so perfekt wie möglich herzustellen und arbeite zu einem Stundenlohn, den ich am besten nicht nachrechne. Ich habe meine Preise sehr senken müssen, um überhaupt im Wettbewerb des Handgemachten mithalten zu können. Am Ende eines Tages stelle ich dann jedoch fest, daß ich fast umsonst gearbeitet habe, ich habe nur die unverändert hohen Materialkosten und einen davon ausgehend kalkulierten Mindestgewinn erwirtschaftet. Aber für meine ganz persönliche Arbeit bin ich eigentlich nicht bezahlt worden. Und genau dieses Schicksal teile ich mit so vielen anderen griechischen Herstellern, Kunsthandwerkern und Kleinunternehmern aller Art mittlerweile.

An manchen Tagen fällt es schwer, die richtige und positive Einstellung zur Arbeit zu finden - und ich gebe es zu, manchmal bin auch ich am Verzweifeln. Dies passiert vor allem immer dann, wenn Kunden versuchen, die Preise noch weiter zu drücken - gefeilscht wie auf einem orientalischen Basar wird da manchmal! Nun, schon vor langer Zeit fand ich besonders dreisten Kunden gegenüber meine Standardantwort: "Noch bin ich kein Chinese!" (unter uns gesagt, ob das weiterhin so bleiben wird, sei dahingestellt....).

Und natürlich schlägt man solche Anfragen ausnahmslos aus, nicht nur, weil es sich beim allerbesten Willen nicht rechnet, sondern weil man sich in all diesen Wirren nur noch eines versucht zu bewahren: einen Rest von Würde!