Samstag, 11. Juli 2015

Come on...

Das Wochenende steht vor der Tür - das letzte bevor definitv die neuen politischen "Maßnahmen" über uns hereinbrechen werden.... so oder so.
Ich will heute, an diesem ruhigen Abend, nicht an das Kommende denken. Wir leben eh nur noch von Tag zu Tag. Ich flüchte mich. wie immer, wenn ich das Gefühl habe zu platzen, in Musik und in literarische Texte, in diese so unendlich gnädigen und großzügigen Welten, damit das Brausen um mich herum endlich schweigen möge....

Leonardo da Vinci sagte einmal, die Augen seien die Seele des Menschen (in diesem Sinne jedenfalls, an das genaue Zitat kann ich mich nicht mehr erinnern, stammt ursprünglich sicher nicht von ihm). Oft denke ich über diesen Satz nach. Immer wieder entdecke im Internet Menschen, die ihre Augen tarnen, genau so, wie ich es selbst nicht anders mache.
Wir versuchen indes zu Recht, unser Allerinnerstes in den heutigen Zeiten des Internets zu schützen. Ist Euch schon mal aufgefallen, wie viele Photos es in den "social media" gibt mit Menschen, die ihre Augen verbergen? Die Ironie ist, daß ich selbst keinen wirklichen Zugang zu Menschen fnde, deren Augen ich nicht sehe, zu Menschen, die mir nicht in die Augen schauen. Wohl, weil wir ganz instinktiv unser Gegenüber so nicht "fassen" können, weil es uns irgendwie  "fremd" bleibt... Wir können seine " Seele" nicht sehen!
Und dabei mache ich es selbst genauso - der mediterranen Sonne sei Dank: Ich verstecke mich hinter meiner undurchdringlichen, schwarzen Brille, ich will nicht, daß fremde Menschen MICH sehen, nur so fühle ich mich irgendwie unangreifbar. Unser Sein, unsere Gedanken sind das Einzige, das nur uns selbst gehört. Und wir offenbaren all dies durch den ungeschützten Blick in unsere Augen....


Warum kommen mir in dieser wieder viel zu späten Nacht all diese Gedanken? Woher wieder all dieses Gesäusel?
Weil ich heute - wie schon seit Wochen - mir im Internet all die Zeitungsartikel reingezogen habe, die sich mit unserer Situation hier beschäftigen (Masochismus pur!)...
Und dabei fielen mir Photographien des so unendlich müden, desillusionierten Alexis Tsipras auf...
Ein "junger" Mann, der unbestreitbar mit hehren Idealen vor ein paar Monaten antrat, aber mittlerweile nur noch die Wahl zwischen "Pest und Cholera" hat, wie ein Journalist heute so richtig schrieb. Ich sah in seinen Augen eine so unendliche Erschöpfung, eine so unendliche Enttäuschung und, ja, ich muß es so sagen, auch Überforderung´unter all diesen langgedienten Wölfen da oben in Brüssel...
Nun, das mag Vielen, vor allem den Tsipras-Gegnern, als sentimentales Gequatsche erscheinen. Akzeptiert, dieses Abgleiten ins allzu Menschliche sei mir verziehen, aber ich kann nicht anders!
Trotzdem bleiben wir am Ende alle doch nur Menschen, egal, welche Funktion wir innehaben, trotzdem reduziert sich unser Leben doch nur auf das, was wir "er-leben" müssen...
COME ON!