Donnerstag, 30. Juli 2015

Menschen und Bücher...

Die nach wie vor viel zu kurzen Nächte halten an... Es ist so heiß, daß selbst die Klimaanlage nicht mehr genügend Erleichterung für einen erholsamen Schlaf bringen kann. So bleibt nur das Lesen, das Nachdenken in diesen stillen Nachtstunden, trotz aller Erschöpfung und Müdigkeit.

Gestern Nacht mußte ich über menschliche Beziehungen nachdenken, und als erklärter Bücherwurm kamen mir plötzlich Vergleiche in den Sinn, die unser Menschsein und Bücher miteinander verbinden:

Man kann in ihm lesen, wie in einem offenen Buch.
Sie ist wie ein Buch mit sieben Siegeln.


Nun, zwei absolut konträre Aussagen. Beide Aussagen sind falsch in ihrem primären Anspruch. Leider sind wir Menschen nicht so einfach zu "kategorisieren", kein einfaches Schwarz oder Weiß ist da zu finden. Wäre es so, wäre es ein Leichtes, unsere Mitmenschen oder auch uns selbst einzuordnen...

Ich mußte dabei an Menschen denken, die sich von Zeit zu Zeit einfach aus unserem Leben "ausklinken", manchmal nur kurz, manchmal für Jahre. Dieses "Verschwinden" von Menschen, hinterläßt immer eine Art von Unsicherheit. Bei mir jedenfalls. Und so kam mir ein weiterer Gedanke, der mit Menschen und Büchern zu tun hat:

Sind manche Menschen nicht tatsächlich wie ein Buch, dem an manchen Stellen einige Seiten abhanden gekommen sind? Sie fehlen einfach. Man liest trotzdem weiter, stellt aber am Ende fest, daß man dieses Buch nicht wirklich rezensieren kann. Man hat den Fortlauf und vielleicht auch das Ende der Geschichte verstanden, aber das dumpfe und beunruhigende Gefühl bleibt, daß auf den fehlenden Seiten vielleicht doch der eine oder andere wegweisende Hinweis stand, der unabdingbar war, um den Sinn des Ganzen wirklich erfassen zu können.

Fast möchte ich diese Menschen als "zerfledderte" Bücher bezeichnen. Vielleicht zu oft gelesen, zu oft "seziert", oft zu achtlos weggelegt, so daß sich diese Menschen einen Schutzschild aneigneten, einige "Seiten" ihres Daseins ganz bewußt durch Weglassen zu schützen versuchen.
Ich selbst hege keine Abneigung gegenüber zerfledderten Büchern, wie ihr wißt. Oftmals bezeugen sie nur, wie intensiv sie gelesen wurden. Insofern ist der Begriff kein negativer für mich.

Aber oftmals schwingt bei so einem "lückenhaften" Buch auch ein tiefes Bedauern mit, denn es könnte genau so gut sein, daß die Leser zu unvorsichtig mit diesem Büchlein umgegangen sind - auch ich !