Montag, 3. August 2015

Gebilde aus Vergeblichkeit....



Heute nochmal Gedanken zu Peter Bieri alias Pascal Mercier.
Sein Buch Nachtzug nach Lissabon ist voll solch schöner Gedanken. Der obige Satz erinnerte mich schon beim ersten Lesen an einen anderen Schriftsteller, William Blake, der vor nahezu 3 Jahrhunderten schrieb:

Die Welt sehen in einem Körnchen Sand,
den Himmel in einem Blütenrund,
die Unendlichkeit halten in der Hand,
die Ewigkeit in einer Stund.

Beide Zitate haben insofern miteinander zu tun, als sie uns einerseits ermahnen, die Vergänglichkeit des Lebens immer im Auge zu behalten und uns andererseits dazu aufrufen, die Schönheit der Welt und des Lebens im Augenblick, im Kleinsten zu begreifen.

Warum kam mir das gerade heute in den Sinn?
Eine alte Bekannte rief mich am Vormittag nach langer Zeit ganz überraschend an. Sie ist schwer erkrankt. Genauso alt wie ich, beginnt sie nun ihren Überlebenskampf. An einer Stelle sagte sie so ganz furchtbar nebenbei: "Nun, es ist wohl Zeit, gewisse Entscheidungen zu treffen und mein Leben zu überdenken."

Als sie das sagte, wurde mir wieder bewußt, wie wenig wir uns im eigenen Leben an so schönen und wahren Worten wie den der obigen Denker orientieren. Wir sezieren vor allem das, was uns aktuell zustößt - im Geiste wie im Tätigen, wir denken nicht an diese "Vergeblichkeit", weil wir nicht wahrhaben wollen, daß wir nur einen minimalen Teil unseres Lebens aktiv beeinflussen können. Und seien wir doch ehrlich; Uns beschäftigen nachhaltiger die weniger schönen. momentären Lebensereignisse als die positiven!

Die Meisten werden nun sagen, daß das zutiefst menschlich ist, und ich bin da keine Ausnahme. Trotzdem, in solch raren Momenten wie diesem Gespräch, wird mir dann doch wieder bewußt, daß ich über viele Dinge viel mehr nachdenke, als sie es wert sind. Sollten wir nicht in der Lage sein, negative, schmerzliche und oft auch geradezu "surreale" Erfahrungen einfach abzuhaken und sie im Zusammenhang des "großen Ganzen" zu sehen? Warum erfreuen wir uns nicht schlicht und ergreifend an den "einfachen", tagtäglich fassbaren Dingen im Leben?

Daß wir das alle nicht wirklich können, ist vielleicht die größte Crux unseres Daseins....

Oder - so denke ich gerade - ist dies etwa genau das, was unser ganz simples "Menschsein" ausmacht?

All die so hehren Worte der großen Dichter und Denker, die wir sogenannte, allemal vermeintliche "Intellektuelle" uns durch unsere ausgedehnten Lektüren einverleiben, hin oder her?