Sonntag, 23. August 2015

Weitermachen.....

Etwas länger schon habe ich hier nichts mehr geschrieben. Zu viel "Leben" (wie ich all das, was mit mir und um mich herum passiert, immer nenne) war die letzten Augustwochen zu bewältigen, obwohl fast alle Freunde sich schon längst in den Urlaub verabschiedet hatten. Aber als Kleinunternehmer in diesen wirren Zeiten ist Urlaub natürlich das Letzte, an das man denken kann. Trotzdem waren uns ein paar relativ entspannende Tage "gegönnt" - aufgrund der stagnierenden Auftragslage die vergangenen 10 Tage.
Auch auf politischer Ebene sind die Neuigkeiten nicht so gut - auch wenn sie natürlich absehbar waren: Das dritte, sogenannte Hilfspaket der EU wurde bewilligt, die von der EU auferlegten "Reformen" wurden durchs Parlament gepeitscht, kurz danach ist Alexis Tsipras zurückgetreten und hat Neuwahlen angekündigt, nachdem er den Rückhalt im linken Flügel seiner Partei verloren hat. Die links- und vor allem rechtsradikalen Kräfte verzeichnen laut den letzten Umfragen einen kräftigen Aufschwung...
Das 3. Memorandum, härter als alle zuvor, wird wohl auf lange Sicht auch meine kleine Werkstatt hier in die Knie zwingen - so sehr ich auch um jeden Kunden und Auftrag kämpfe. Ich habe das ja schon öfter hier geschrieben, aber, darüber mache ich mir keine Illusionen, ich gehöre der Gruppe der Kleinunternehmer an, die statt steuerlicher Verschärfungen eigentlich steuerliche Erleichterungen benötigt hätten, um auch nur den leisesten Hauch einer Zukunft hier zu haben. Aber dies ist im Sparprogramm der europäischen "Freunde" und Gläubiger natürlich nicht vorgesehen. Und so sind wir, wie so viele andere, überflüssig, auswechselbar, periodisch geworden -  allemal vergänglich eben. Wir sind die unternehmerischen "Dinosaurier" und nicht die in allen Medien so gepriesenen "startups", die dem Leser weismachen wollen, es ginge trotzalledem "aufwärts" in Griechenland aufgrund der diversen neuen, beruflichen Initiativen (welche aber im Grunde oft der Tatsache geschuldet sind, daß die jungen Griechen hier keine Zukunft sehen und sich auf gefährliche Firmenneugründungen verlegen, deren Zukunft in der Mehrheit mehr als ungewiss ist).

Wie dem auch sei, wir können uns nur in Fatalismus und Zweckoptimismus üben. Weitermachen - es bleibt uns keine andere Wahl. Nichtsdestotrotz bin ich persönlich mir mehr als bewußt, daß neben all diesen politischen und beruflichen Widrigkeiten ein Leben besteht, das uns - je älter wir werden - auch noch mit anderen Problemen konfrontiert. Sie sind es, die mich oft viel mehr beschäftigen als meine berufliche Zukunft. Ein unendlich geliebter, viel zu jung verstorbener Freund sagte vor ein paar Jahren einmal zu mir: "Μην φοβάσαι, μικρή μου, κανείς δεν χάνεται" - Hab keine Angst, meine Kleine, niemand geht verloren!
Daran muß ich oft denken, was unsere berufliche Zukunft anbelangt. Was unser menschliches Dasein anbelangt, gilt dieser Satz nicht - er ist verloren gegangen. Und auch dies ist meinem Alter geschuldet: Zuviel wird gestorben und "gekrankt" um mich herum...
Insofern relativieren sich viele Dinge des täglichen, vor allem beruflichen Lebens: Fatalismus ist also die einzige Wahl der Stunde.

Vorgestern verstarb hochbetagt Egon Bahr, ein Politiker der alten Garde, der den wahren und zeitlosen Satz prägte: