Mittwoch, 9. September 2015

Ironie ist die letzte Phase der Enttäuschung - Anatole France

Der September hat Einzug gehalten. Der griechische Sommer ist noch nicht vorbei, noch immer erreicht das Thermometer an manchen Tagen fast 40 Grad und läßt uns gehörig schwitzen.
Wir stehen 10 Tage vor den Neuwahlen, trotzdem herrscht Ruhe. Wahrscheinlich sind die Menschen nach den vielen Monaten der Unsicherheit, der trügerischen Hoffnungen und des abrupten Erwachens aus dem kurzen Traum einer wirklichen Veränderung nun einfach müde. Vielleicht auch dies ein Grund, daß auch unter Freunden oder mit meinen Kunden kaum über die anstehenden Wahlen gesprochen wird.
Das Nachdenken über diese gespenstische Stille brachte mir die vielen Karrikaturen in Erinnerung, die man zum Thema in den Zeitungen und im Internet findet. Karrikaturen arbeiten meistens mit Ironie und Sarkasmus (beides natürlich griechische Wörter), die uns aber dann doch zum Lachen oder zumindest zu einem gequälten Lächeln bringen.
Auch im wirklichen Leben sind Ironie und Sarkasmus häufig ein Ausweg, wenn man eine bittere Wahrheit, eine Absurdität oder eine Unsäglichkeit nicht mehr anders zu kommentieren weiß. Wenn manche Menschen diese beiden rhetorischen Figuren aber fast nur noch als einziges Kommunikationsmittel anwenden, kann dies schnell ermüdend werden. Ein wirklicher, ehrlicher Diskurs wird damit oft unterbunden. Deshalb sollten wir beides auch nur gezielt einsetzen. Friedrich Nietzsche schrieb:

Die Gewöhnung an die Ironie ebenso wie die an Sarkasmus verdirbt übrigens 
den Charakter. Sie verleiht allmählich die Eigenschaft einer schadenfrohen 
Überlegenheit: Man ist zuletzt einem bissigen Hunde gleich, der noch das 
Lachen gelernt hat außer dem Bellen.

Einer meiner liebsten griechischen Karrikaturisten ist Arkas - ein Mann, den tatsächlich keiner kennt. Niemand weiß, wie er aussieht. Ein Phantom eigentlich, aber mit intelligentem Humor und der Gabe, die Dinge auf den Punkt zu bringen.
In Deutschland tut sich natürlich Klaus Stuttmann mit seinen beißenden Kommentaren hervor.

Hier ein paar Beispiele - damit wir auch mal was zum Lachen haben - auch wenn uns das Lachen eigentlich im Halse stecken bleiben müßte...


Schon wieder ein Memorandum schon wieder Verhandlungen,
schon wieder Wahlen! ... In diesem Land lebt man in einem
ständigen Zustand des deja vu!

Wir müssen mit klarem Kopf wählen! Deshalb werden
wir einen Monat lang einer Gehirnwäsche unterzogen.
Zwei Dinge hasse ich bei jedem Politiker: sein Gesicht!