Sonntag, 22. November 2015

Der einzig reine Ort ist unsere Liebe, die unentweiht, in der Menschlichkeit .... Friedrich Schiller

Ruhig ist es geworden in den letzten Wochen hier in meinem Blog. Dies liegt zum einen daran, dass ich zwar nach wie vor viel lese, aber kein wirklich herausragendes Buch dabei war, das ich euch vorstellen wollte. Zum anderen geschehen so viele Dinge gerade um uns herum, daß mir das Schwelgen in "weltfremden" Lektüreempfehlungen fast schon fehl am Platze erscheint. Die Flüchtlingskrise, die zunehmende Fremdenfeindlichkeit, die terroristischen Attentate in Beirut, Paris, Mali etc.. All dies beschäftigt mich so sehr, daß ich all meine kognitive Kraft momentan auf eine Facebook-Seite konzentriere, bei der ich seit einiger Zeit zu den Administratoren gehöre.
Ich war noch nie ein sehr politischer Mensch in dem Sinne, irgendeiner Partei besonders zugeneigt zu sein - ganz im Gegenteil. Mittlerweile, wohl aufgrund meines fortgeschrittenen Alters, bestehe ich erst recht auf meiner geistigen Unabhängigkeit, kann mich aber den gesellschaftspolitischen Debatten um uns herum nicht guten Gewissens entziehen. Und ich gebrauche bewußt den Begriff "gesellschaftspolitisch" und nicht "politisch"!
Was wir momentan beobachten in Deutschland und anderen europäischen Ländern, ist ein gesellschaftlicher Rückschritt, den ich so zu meinen Lebzeiten nicht mehr erwartet hatte. Die Zunahme der Fremdenfeindlichkeit übersteigt mittlerweile mein Vorstellungsvermögen und erschüttert mich zutiefst. Diese Erschütterung hat nur bedingt mit meinem eigenen Leben zu tun als Frau eines Griechen und als Ausländerin in Griechenland. Vielmehr denke ich in letzter Zeit an all die Geschichten, die mir noch mein Vater erzählt hat aus den Jahren des 2. Weltkrieges und an meine eigene Beschäftigung mit der Geschichte des Holocausts.
Nur soviel zur Erklärung meines temporären "Verstummens" hier in meinem Blog.
Immerhin schaffe ich es ab und an, meinen Freunden auf Facebook kurze "Gedanken zur Nacht" mit auf den Weg zu geben. Dies hier stammt vom 15. November:

GEDANKEN ZUR NACHT: Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Das Töten, es geht weiter, immer weiter. Das Töten, das im Nahen Osten schon fast zum Alltag der Menschen geworden ist. Das Töten, das wegen dieser „Alltäglichkeit“ fast nur noch nebenbei wahrgenommen wird. Der Terror, der jetzt wieder einmal den Westen erreicht hat. Die Säbel der Vergeltung, die gerade in dieser Minute wohl schon gewetzt werden. Da liest man dann all die Artikel, hört die Politiker, hört die Kommentatoren und all die „Analysen“. Erste bittere Erkenntnis: Ich weiß, daß ich eigentlich absolut nichts weiß. Zweite bittere Erkenntnis: Wir Menschen können und konnten noch nie in Frieden miteinander leben. Was bleibt? Nur das Gefühl der Ohnmacht und Wut ob dieser Gewalt um uns herum. Fast genau auf den Tag vor 256 Jahren wurde Friedrich Schiller geboren. Seine Worte – aktuell wie eh und je:


Ein besonderes Büchlein befindet sich allerdings momentan auf meinem Nachtkästchen, das ich euch hier in den nächsten Tagen vorstellen möchte. Es ist ein Gedankenschatz, der seinesgleichen sucht. In Kürze ...
Bleibt mir ein wenig treu, trotz meiner temporären Abwesenheit!