Donnerstag, 10. Dezember 2015

Libertas ....

Europa zäunt sich ein. Die Grenzen werden dicht gemacht. Lauter und lauter werden die Stimmen nach Zäunen – am besten gleich noch mit Stacheldraht verzierte! Mit Befremden liest man diese Berichte, aber mit schierem Entsetzen die Kommentare mancher Leser in den sozialen Medien. Der Psychologe Stephan Grünewald sagte in einem Interview, daß sich viele Menschen offenbar von einer liberalen Gesellschaft überfordert fühlen und deshalb nach einer starken „führenden Hand“ lechzen. Ein deutscher Hersteller von Pfefferspray spricht von „diffusen Ängsten“ der Menschen und kann sich vor Bestellungen kaum mehr retten. Haben wir also ein Freiheitsproblem? Und wollen wir die Freiheit nur für uns selbst und nicht für den Anderen?
Was haben wir die letzten Jahrzehnte dafür gekämpft nach dem Ende des Kalten Krieges oder vor dem Mauerfall in Deutschland! Jetzt, nur wenige Jahrzehnte danach, erscheint diese errungene Freiheit vielen Menschen als Verunsicherung oder gar als Bedrohung. Man müßte jetzt beim existenzialistischen Freiheitsbegriff beginnen, aber das würde zu weit führen ... 
Tatsache ist, daß Freiheit auch gedankliche Freiheit voraussetzt. Wo sich aber Gedanken zwischen Zäunen, wilkommener totaler Überwachung und Schlagbäumen bewegen, kann Freiheit nicht als eines der positivsten Güter des Menschseins wahrgenommen werden. 
Beim Anblick der Zäune, die gerade z. B. in Österreich hochgezogen werden, kam mir unwillkürlich ein Gedanke: Haben die Befürworter eigentlich darüber nachgedacht, daß hochgezogene Zäune vor dem Eindringling von Außen wohl schützen mögen, aber dem, der sich innerhalb dieser Eingrenzungen befindet, unter Umständen den Weg nach draußen abschneiden könnten ? 

MAN MUSS FREIHEIT AUSHALTEN KÖNNEN – etwas, was die Menschheit noch nie für längere Zeit geschafft hat!