Donnerstag, 10. März 2016

Es gibt nur zwei "Rassen" ...

Die europäische Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in die sogenannten Gutmenschen und Schlechtmenschen (beides Wortschöpfungen, die dem Freund der deutschen Sprache an sich schon wehtun). Sogar der Begriff Humanität wird neuerdings zurechtgebogen, wie es jedem gerade zupass kommt. Auf politischer Ebene haben solidarisches und wagemutiges Handeln dem kruden Kalkül Platz gemacht. Mal wieder. Eine gemeinsam getragene Zukunft wagen? Eher nicht.

Und ich frage mich: Steht hinter diesen beiden Wortschöpfungen nicht einfach die grundsätzliche Frage nach unserer Anständigkeit?
Es ist ein Gebot der Anständigkeit, vor Krieg, Hunger oder aussichtsloser Zukunft fliehenden Menschen zu helfen, unabhängig von Hautfarbe oder Religion. Es ist ein Gebot der Anständigkeit, für jene einzutreten und jenen etwas abzugeben, denen es so viel schlechter geht als uns. Es ist ein Gebot der Anständigkeit, fremdenfeindliche Politiker und ihre dumpfen Mitläufer in ihre Schranken zu weisen. Es ist ein Gebot der Anständigkeit, jene zu unterstützen, die noch einen Rest freiheitliches Denken, Wagemut und Zuversicht an den Tag legen. Und so weiter und so fort ... 
Wenn ich an unser Heute denke, verwende ich bewußt nicht den Begriff der christlichen Nächstenliebe. Ich muß den Fremden neben mir auch nicht lieben, aber ich muß jeden Menschen neben mir anständig behandeln – nicht mehr und nicht weniger.
Vereinzelt liest man in den Medien vom „Aufstand der Anständigen“. Wäre es jetzt nicht an der Zeit, Europa?


P.S. Europa selbst soll übrigens, wie uns Homer berichtet, eine wunderschöne Prinzessin aus Phönizien gewesen sein, jenem Landstreifen auf dem heutigen Gebiet von Israel, Syrien und Libanon. Aber dies nur nebenbei bemerkt.