Mittwoch, 25. Mai 2016

Kreativität ist funktionales Chaos im Kopf. - Aba Assa

In all den Wirren unserer Zeit, in all den überfallartigen Neuigkeiten in den Zeitungen, in all dem täglichen Überlebenskampf fällt es mir oft so schwer, mich noch auf das zu besinnen, das mir an meiner Arbeit Freude macht ...

In den letzten Monaten fehlt so oft die physische und auch die kreative Kraft, mit der ich ganz prosaisch auch mein täglich Brot verdienen muss. Kunden verlangen immer häufiger fast Unmögliches; da kein Geld vorhanden ist, will man für das Wenige, das man noch ausgeben kann, das Bestmögliche bekommen. Manche verlangen schlichtweg Unmögliches. Ideen und ihre praktische Ausführung müssen her, immer schneller, immer besser, immer billiger. Ein Kunde war heute ziemlich ungehalten, weil eine bestellte Schachtel noch nicht fertig war - eine absolute Sonderherstellung, kompliziert, verzwickt, zeitaufwendig, bei der man sich zudem keinen Fehler erlauben darf, weil das Material knapp und sehr teuer ist. Wie soll man dem Kunden plausibel machen, daß man für so einen Auftrag die nötige kreative und handwerkliche Ruhe braucht? Was früher als Kunsthandwerk dankbar gewürdigt wurde, ist heute nur noch Allerweltsware... Nach so einem Arbeitstag fühle ich mich dann ausgepresst wie eine Zitrone. 
Nur noch sehr selten, am späten Nachmittag, am frühen Abend oder am Wochenende habe ich noch Lust, kleinere neue Ideen auszuprobieren. Seit vielen Wochen spukt jedoch die Vorstellung von größeren Objekten in meinem Kopf herum, die Vorstellung von luftigen Kleiderskulpturen,  inspiriert von Künstlern, die Papier als Werkstoff für wunderbare Kreationen entdeckt haben:




Mal sehen, wann ich Zeit und Muße finden werde, all dies auszuprobieren und zu verwirklichen. Die fertigen Bilder im Kopf existieren bereits, eine entsprechende Schneiderpuppe als Form steht seit Wochen schon in meiner Werkstatt. Die praktische Umsetzung allerdings verlangt innere Ruhe und auch unbeschwerte Zeit, die ich momentan irgendwie nicht in mir selbst finden kann angesichts der brennenden Probleme um mich herum ...

Und wenn ich gar mich selbst der Welt "entziehen" will, dann lese ich - allein dies hat mir die Krise noch nicht genommen!