Montag, 24. Oktober 2016

Es gibt Fragen, aber keine Antworten. Man müßte wie die Tiere sein. Bei ihnen ist es umgekehrt. Der Instinkt gibt ihnen Antworten. Fragen brauchen sie nicht. - Simona Vinci

Es gibt manchmal ganz wunderbare Bücher, die einem rein zufällig über den Weg laufen - wie dieser Roman der italienischen Schriftstellerin und Übersetzerin Simona Vinci.
Auf einem Bücherbasar sprang mir das Buch aufgrund seines Themas ins Auge: Die 40er Jahre in Italien, der Faschismus ist allgegenwärtig. Der 11-jährige Pietro muss zurechtkommen mit einer seltsam "entrückten" Mutter, mit dem unerklärlichen Tod seiner Kindheitsgefährtin Irina und einem längeren Aufenthalt in einem strengen katholischen Internat. Als er von dort zurück nach Hause kehrt, macht er sich auf die Suche nach den Gründen für den Tod Irinas. Als er ihr Tagebuch findet, eröffnet sich ihm ganz langsam die Tragik seiner Familie - und vor allem seiner Mutter Tea, die ihre innere Einsamkeit mit Heroin und Alkohl zu betäuben versucht.

 Die Spannung baut sich mehr und mehr auf, gemeinsam mit Pietro will der Leser hinter die Familiengeheimnisse kommen. Aber es ist auch ein Buch über das langsame Erwachsenwerden inmitten von Krieg und Widerstand. Erzählt wird im ersten Teil aus Sicht von Pietro, im zweiten Teil aus der Sicht der Mutter. Und so fügen sich langsam auch für den Leser die Puzzleteile zusammen.

Was das Buch lesenswert macht, sind nicht nur das Thema und die Zeit, sondern vor allem die unaufgeregte, präzise, aber eben auch wunderbar poetische Sprache der Autorin.